CfP zum Frankoromanistentag 2010: Sektion 24 "Bruxelles surréaliste. Topographien einer Stadt"
- Ort: Essen
- Beginn: 29.09.10
- Ende: 02.10.10
- Disziplinen: Literaturwissenschaft
- Sprachen: Französisch
Bruxelles surréaliste. Topographien einer Stadt
Brüssel ist ungeachtet seiner interkulturellen Dimensionen als zweitgrößte französischsprachige Metropole des Kontinents, Schnittstelle zweier Sprach- und Kulturräume und nominelles Zentrum Europas nach wie vor ein von romanistischer Seite weitgehend vernachlässigter StadtRaum. Ausgehend von der Prämisse, daß der Stadt Brüssel und der belgischen Literatur französischer Sprache insgesamt eine grundsätzliche Neigung zum Surrealen innewohnt, behandelt die kulturwissenschaftlich und interdisziplinär ausgerichtete Sektion die vielgestaltigen Manifestationen des Surrealismus im Belgien des 20. Jahrhunderts. Nachdem bereits der belgische Symbolismus (Maeterlinck, Ensor) stark surrealistische Züge entwickelte (und weiterhin als Initialzündung fortwirkt), nimmt 1927 mit der Konstitution einer belgischen Surrealistengruppe u. a. durch Paul Nougé, René Magrittes und Louis Scutenaire eine originäre Entwicklung („aventure demeurée sans pareil“, Marc Quaghebeur) ihren bis heute nicht abgeschlossenen Lauf. Ergänzend liefert in den ausgehenden dreißiger und vierziger Jahren die sogenannte Ecole belge de l´Etrange mit Autoren wie Jean Ray, Michel de Ghelderode und Thomas Owen, einen belgienspezifischen Beitrag zur Phantastischen Literatur. Ein herausragendes Beispiel für surrealistische Tendenzen auch in der zeitgenössischen Literatur ist die architekturtheoretisch ambitionierte Comic-Reihe Les Cités obscures von Schuiten/Peeters, die mit dem Album Brusel (1992) eine postmoderne, verfremdete Stadt entwirft. Geographischer Fixpunkt, der zugleich in der Literatur und den Künsten unentwegt Thematisierung und Transformationen erfährt, bleibt Brüssel: Hier kulminiert die surrealistische Konstante, hier wird eine Großstadt zum surrealistischen Kosmos. Dieses überzeitliche Bruxelles surréaliste kartographisch zu erschließen, gleichsam zu vermessen, nimmt sich die Sektion zum Ziel.
Zu bearbeitende Themen sind beispielsweise:
Belgischer Surrealismus:
- Spezifika des belgischen Surrealismus
- Periodisierungsfragen und Abgrenzungsprobleme
- Vorläufer (Maurice Maeterlinck u. a.)
- Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum französischen Surrealismus/intertextuelle Bezüge
- Präsentation und Analyse einzelner Fallbeispiele oder Autoren
- Surrealismus und Krieg/Besatzung
- Surrealismus und Religion
- Zeitschriftenprojekte
- Intermediale Bezüge zur Musik und Bildenden Kunst; der surrealistische Film
- Poetologische und selbstreferentielle Äußerungen
- Thematisierung und literarische Darstellung der Großstadt und der Stadt Brüssel
Stadt Brüssel:
- Surreale Elemente in der realen Topographie Brüssels
- Vergleich der Metropolen Brüssel und Paris
- Architektonische und stadtplanerische Diskurse
- Brüssel als utopischer Raum
- Brüssel als phantastischer Raum
- Brüssel als surrealistischer Erinnerungsort
- Surrealismus und Kolonialismus
- Brüssel und die Bande dessinée
Dr. Thomas Amos Dr. Christian Grünnagel
Romanisches Seminar der Universität Heidelberg Romanisches Seminar der Universität Heidelberg
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Publiziert von: Kai Nonnenmacher