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05.01.2012

Mythologies -- Mythen des Alltags. Interdisziplinärer Workshop zur Neuausgabe von Roland Barthes’ Klassiker der Kulturwissenschaften

  • Ort: Berlin
  • Beginn: 19.01.12
  • Ende: 20.01.12
  • Disziplinen: Literaturwissenschaft, Medien-/Kulturwissenschaft
  • Sprachen: Französisch

Gut fünfzig Jahre nach ihrer Publikation und über vierzig Jahre nach einer Teilveröffentlichung in deutscher Sprache ist nun eine erste vollständige und neu übersetzte Ausgabe der Mythologies (1957) des Kulturkritikers und Semiologen Roland Barthes erschienen. Die virtuos geschriebenen Porträts widmen sich medial präsentierten Alltagsphänomenen in der Kulturindustrie: dem Zauber im "Gesicht der Garbo", der Ikonographie des Fernsehpredigers Abbé Pierre, der "Afrikanischen Grammatik" zur Rechtfertigung des Algerienkriegs, der Darstellung so genannter Volkscharaktere in Reiseführern, der Apotheose des legendären Citroën DS, der religiösen Aufladung der Nahrungsmittel "Beefsteak und Pommes Frites", dem Catchen als Abkömmling des antiken Dramas u.v.m.

 

Barthes, der in den Mythen des Alltagsals einer der ersten Wissenschaftler die strukturalistische Zeichenlehre Ferdinand de Saussures auf massenkulturelle Phänomene anwendete und dabei eine Theorie des modernen Mythos als semiologisches System entwickelte, hat die modernen Kulturwissenschaften maßgeblich mitbegründet. Er selbst verstand seine Texte vor allem als politische Interventionen und als intellektuelle "Demontagen" kleinbürgerlicher Ideologeme, deren besonderes Kennzeichen die unablässige Vertauschung von Natur und Geschichte sei. Auf dem Workshop werden Kultur-, Medien- und Literaturwissenschaftler gemeinsam die Mythen des Alltagseiner Relektüre unterziehen und daraufhin befragen, inwiefern sie heute noch für die kulturwissenschaftliche Analyse relevant sind bzw. ob ihr zeichentheoretisches und zugleich auch ideologiekritisches Gerüst heute noch anschlussfähig ist. Dabei werden sich Vorträge – etwa zum Ort der Mythen des Alltagsim Gesamtwerk Barthes’ oder zur Bedeutung des theoretischen Supplements "Der Mythos heute" – mit einzelnen Lektüren der "Mythologien" abwechseln.

 

Programm

 

Donnerstag, 19. Januar 2012

 

14.00

Mona Körte/Anne-Kathrin Reulecke (ZfL):

Begrüßung und Einführung

 

Moderation: Benjamin Bühler (ZfL)

 

14.30 Vortrag

Horst Brühmann (Frankfurt a. M.):

"Als Diskussionsgrundlage für Großstadtbüchereien empfohlen".

Zur Übersetzung und Rezeption der "Mythen des Alltags" in Deutschland

 

15.15 Vortrag

Peter Geimer (Berlin):

Das Problem des wirklich guten Weins. Über das Jenseits der Ideologiekritik

 

 

Moderation: Falko Schmieder (ZfL)

 

16.30 Lektüre

Anne-Kathrin Reulecke (ZfL):

Dichtermythen-Mythen der Dichtung. Zu den Abschnitten "Minou Drouet

und die Literatur", "Nautilus", "Die Tour de France als Epos"

 

17.00 Vortrag

Angela Oster (München):

'Und ewig lockt das Automobil'. Gender, Technik und Mythos

bei Roland Barthes

 

17.45 Lektüre

Ulrike Vedder (Berlin):

Strafprozesse. Zu den Abschnitten "Dominici oder der Triumph der Literatur"

und "Der Prozess gegen Dupriez"

 

 

Freitag. 20.1.2012

 

Moderation: Birgit Griesecke (ZfL)

 

10.30 Vortrag

Ottmar Ette (Potsdam):

Mytho-Logiken des Roland Barthes

 

11.45 Lektüre

Yoko Tawada (Berlin):

Alles Ritual im freien Westen. Nationalisierung der Erotik und der Stil als

Alibi. Zu "Striptease" und "Zwei Mythen des Jungen Theaters"

 

12.15 Lektüre

Mona Körte (ZfL):

Ordnungen von Gesicht und Haar. Zu "Die Römer im Film", "Ikonographie des Abbé

Pierre" und "Das Gesicht der Garbo"

 

 

Moderation: Anne-Kathrin Reulecke/Mona Körte (ZfL)

 

14.15 Vortrag

Birgit Erdle(Frankfurt a. M./London):

Schein und Vorschein. Barthes und Kracauer zu „Family of Man“

 

15.00 Lektüre

Dirk Naguschewski (ZfL):

Die Politik im Diskurs. Roland Barthes und die 'Afrikanische Grammatik'

 

15.30 Vortrag

Kikuko Kashiwagi/Michael Wetzel (Osaka/Bonn):

"Défendre son beefsteak": Nahrungsrituale als Mythen des französischen Alltags

 

 

Zentrum für Literatur- und Kulturforschung

Schützenstr. 18

10117 Berlin

3. Etage

 

Tel.: 030-20192-173

Von:  Sabine Zimmermann

Publiziert von: RZ