Mythologies -- Mythen des Alltags. Interdisziplinärer Workshop zur Neuausgabe von Roland Barthes’ Klassiker der Kulturwissenschaften
- Ort: Berlin
- Beginn: 19.01.12
- Ende: 20.01.12
- Disziplinen: Literaturwissenschaft, Medien-/Kulturwissenschaft
- Sprachen: Französisch
Gut fünfzig Jahre nach ihrer Publikation und über vierzig Jahre nach einer Teilveröffentlichung in deutscher Sprache ist nun eine erste vollständige und neu übersetzte Ausgabe der Mythologies (1957) des Kulturkritikers und Semiologen Roland Barthes erschienen. Die virtuos geschriebenen Porträts widmen sich medial präsentierten Alltagsphänomenen in der Kulturindustrie: dem Zauber im "Gesicht der Garbo", der Ikonographie des Fernsehpredigers Abbé Pierre, der "Afrikanischen Grammatik" zur Rechtfertigung des Algerienkriegs, der Darstellung so genannter Volkscharaktere in Reiseführern, der Apotheose des legendären Citroën DS, der religiösen Aufladung der Nahrungsmittel "Beefsteak und Pommes Frites", dem Catchen als Abkömmling des antiken Dramas u.v.m.
Barthes, der in den Mythen des Alltagsals einer der ersten Wissenschaftler die strukturalistische Zeichenlehre Ferdinand de Saussures auf massenkulturelle Phänomene anwendete und dabei eine Theorie des modernen Mythos als semiologisches System entwickelte, hat die modernen Kulturwissenschaften maßgeblich mitbegründet. Er selbst verstand seine Texte vor allem als politische Interventionen und als intellektuelle "Demontagen" kleinbürgerlicher Ideologeme, deren besonderes Kennzeichen die unablässige Vertauschung von Natur und Geschichte sei. Auf dem Workshop werden Kultur-, Medien- und Literaturwissenschaftler gemeinsam die Mythen des Alltagseiner Relektüre unterziehen und daraufhin befragen, inwiefern sie heute noch für die kulturwissenschaftliche Analyse relevant sind bzw. ob ihr zeichentheoretisches und zugleich auch ideologiekritisches Gerüst heute noch anschlussfähig ist. Dabei werden sich Vorträge – etwa zum Ort der Mythen des Alltagsim Gesamtwerk Barthes’ oder zur Bedeutung des theoretischen Supplements "Der Mythos heute" – mit einzelnen Lektüren der "Mythologien" abwechseln.
Programm
Donnerstag, 19. Januar 2012
14.00
Mona Körte/Anne-Kathrin Reulecke (ZfL):
Begrüßung und Einführung
Moderation: Benjamin Bühler (ZfL)
14.30 Vortrag
Horst Brühmann (Frankfurt a. M.):
"Als Diskussionsgrundlage für Großstadtbüchereien empfohlen".
Zur Übersetzung und Rezeption der "Mythen des Alltags" in Deutschland
15.15 Vortrag
Peter Geimer (Berlin):
Das Problem des wirklich guten Weins. Über das Jenseits der Ideologiekritik
Moderation: Falko Schmieder (ZfL)
16.30 Lektüre
Anne-Kathrin Reulecke (ZfL):
Dichtermythen-Mythen der Dichtung. Zu den Abschnitten "Minou Drouet
und die Literatur", "Nautilus", "Die Tour de France als Epos"
17.00 Vortrag
Angela Oster (München):
'Und ewig lockt das Automobil'. Gender, Technik und Mythos
bei Roland Barthes
17.45 Lektüre
Ulrike Vedder (Berlin):
Strafprozesse. Zu den Abschnitten "Dominici oder der Triumph der Literatur"
und "Der Prozess gegen Dupriez"
Freitag. 20.1.2012
Moderation: Birgit Griesecke (ZfL)
10.30 Vortrag
Ottmar Ette (Potsdam):
Mytho-Logiken des Roland Barthes
11.45 Lektüre
Yoko Tawada (Berlin):
Alles Ritual im freien Westen. Nationalisierung der Erotik und der Stil als
Alibi. Zu "Striptease" und "Zwei Mythen des Jungen Theaters"
12.15 Lektüre
Mona Körte (ZfL):
Ordnungen von Gesicht und Haar. Zu "Die Römer im Film", "Ikonographie des Abbé
Pierre" und "Das Gesicht der Garbo"
Moderation: Anne-Kathrin Reulecke/Mona Körte (ZfL)
14.15 Vortrag
Birgit Erdle(Frankfurt a. M./London):
Schein und Vorschein. Barthes und Kracauer zu „Family of Man“
15.00 Lektüre
Dirk Naguschewski (ZfL):
Die Politik im Diskurs. Roland Barthes und die 'Afrikanische Grammatik'
15.30 Vortrag
Kikuko Kashiwagi/Michael Wetzel (Osaka/Bonn):
"Défendre son beefsteak": Nahrungsrituale als Mythen des französischen Alltags
Zentrum für Literatur- und Kulturforschung
Schützenstr. 18
10117 Berlin
3. Etage
Tel.: 030-20192-173
Publiziert von: RZ