Les femmes noires dans le patrimoine iconographique français de la seconde moitié du XIXe siècle : la textualité dans les images (Promotionsprojekt)


Allgemeine Angaben

Projektbeginn
Sonntag, 01. Januar 2012
Status
laufend
Hochschule
Universität Wien
Stadt der Hochschule
Wien
Thematik nach Sprachen
Französisch
Disziplin(en)
Textwissenschaft, Semiotik, Medien-/Kulturwissenschaft
Schlagwörter
Orientalismus, schwarze Frauen, Textualutät, XIX. Jahrhundert, Fotografie, Malerei, Bildinterpretation, Bildanalyse

Aktiv beteiligte Person(en)

(z.B. Kooperation, Mitarbeiter, Fellows)

Inna Kyselova


Exposé

Das Dissertationsprojekt behandelt die Darstellung von schwarzen Frauen in den französischen Kunstwerken der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts – in den gemalten und fotografischen Bildern – und untersucht insbesondere die Entwicklung von Textualität in diesen semiotischen Produkten. Die Arbeit schneidet historische, soziopolitische, anthropologische und kunstwissenschaftliche Themen an, ist aber in erster Linie den medien- und textwissenschaftlichen sowie methodologischen Fragen gewidmet. Die semiotische Natur der Bilder wird in den Mittelpunkt gestellt und es werden Ansätze für die Bildanalyse und -interpretation ausgearbeitet, die auf der Hypothese gründen, dass Bilder, wie literarische Werke, als Texte im weiten Sinne des Wortes betrachtet werden können und ähnliche Prinzipien des Aufbaus und der Entwicklung des textuellen Gerüstes aufweisen.

Die empirische Basis für die Untersuchungen bilden Gemälde und Fotografien französischer Autoren, die in der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts entstanden sind. Diese Epoche zeichnet sich durch die koloniale Expansion Frankreichs, vor allem in den nordafrikanischen Ländern, durch die Eroberung der neuen Territorien und die Etablierung der europäischen Lebensordnung in den Kolonien aus. Die Ureinwohner der kolonisierten Länder wecken unter anderem anthropologisches Interesse bei den Franzosen. Die Fremden werden oft als „minderwertige“ Wesen betrachtet, und die „wilden“ Gesellschaftsordnungen werden der zivilisierten europäischen Welt gegenübergestellt. Außerdem ist die Vorstellung eines schwarzen Menschen im Bewusstsein der Franzosen, auch nach der Abschaffung der Sklaverei 1848, immer noch stark mit einer Sklavenrolle verbunden, und diese Stereotypen spiegeln sich in den Werken der bildenden Kunst wider.

Ein Großteil des aus 65 Bildern bestehenden Corpus, das in der Arbeit untersucht wird, ist der künstlerischen Strömung des Orientalismus zuzuordnen. Diese Bilder bieten eine romantische, etwas idealisierte Darstellung der Lebensweise, der Menschen, der Natur, der Architektur etc. in den orientalischen Ländern (als Orient werden nordafrikanische Länder, vor allem die des Maghrebs, sowie der westliche Teil der Türkei aufgefasst). Im Gegensatz zu den weißen Frauen, die oft als wunderschöne verführerische Odalisken dargestellt werden, spielen die schwarzen Frauen, mit nur wenigen Ausnahmen, die Rolle einer Sklavin oder einer Dienerin und stehen in den Bildern in der Regel im Hintergrund.

Eine andere Art der Darstellung von schwarzen Frauen und im Allgemeinen, von exotischen Realien, entsteht durch die Fotografie – ein neues Medium, dass sich ab ca. 1850 zu einer selbstständigen visuellen Kunst entwickelt. Das grundlegende Charakteristikum der Fotografie – die wahrheitsgetreue Abbildung – bringt einen realistischen Aspekt in die Bilder, die das Leben in den fernen Ländern darstellen, ein. Die Menschen werden in den alltäglichen Lebenssituationen gezeigt, oft umgeben von den Gegenständen, die für ihre Kultur typisch sind, wie Handwerkserzeugnisse oder Hauseinrichtung. So bildet sich der ethnografische Zweig der Fotografie heraus, der auch dem Äußeren der Menschen eine besondere Aufmerksamkeit schenkt. In den fotografischen Bildern dieser Epoche, die sehr häufig von den reisenden Fotografen stammen, kommen schwarze bzw. dunkelhäutige Frauen als ethnografische Objekte oft vor.

Somit bilden die Darstellungen von schwarzen Frauen in den gemalten und fotografischen Bildern eine spannende Grundlage für die Untersuchung der Entwicklung der Narration in den Bildern, der Schaffung von Konnotationen, der Gestaltung des thematischen Gerüstes etc. Um dem großen narrativen Potential der Bilder auf den Grund kommen zu können, bedarf es einer Methode, die diese Werke als mediale Produkte betrachten und für die Bildanalyse und -interpretation Ansätze heranziehen würde, die von den Wissenschaften, die eine andere Art von Medien untersuchen, entwickelt wurden – beispielsweise, der Textlinguistik.

Aufgrund von Methoden für die Analyse der geschriebenen Texte, die sich in der Sprach- und Literaturwissenschaft etabliert haben, und in Anlehnung an bereits vorhandene Ansätze für die Bilduntersuchung wurde von mir ein Schema für Bildanalyse und -interpretation ausgearbeitet. Das Schema setzt sich aus vier Bereichen zusammen: dem Kontext der Bildentstehung, der Entwicklung der Kohärenz im Bild, dem Aufbau der Kohäsion im Bild und den Schlussfolgerungen.

Die Angaben über den Autor des Werkes, über die Umstände dessen Schaffung, über seine Zugehörigkeit zu einem bestimmten Stil und Genre, über die intertextuellen Beziehungen zu anderen Bildern und geschriebenen Texten u. A. bilden den Kontext der Bildentstehung. Als Entfaltung der Kohärenz (des inhaltlichen Zusammenhangs) werden der Inhalt, die Entwicklung des Themas, der Isotopienetze, der Symbolik, die pragmatischen Aspekte etc. untersucht. Auf die Besonderheiten der Kohäsion (des formellen Zusammenhangs) wird vor allem bei der Untersuchung der Organisation der Bildoberfläche, der farblichen Gestaltung, der Lichtverhältnisse, der statischen und der dynamischen Elemente, der Einbeziehung des Autors in das Bild und der intermedialen Komponenten eingegangen. Die Schlussfolgerungen spiegeln in erster Linie die Überlegungen über die Botschaft, die das Bild den zeitgenössischen und den modernen Zuschauern vermitteln kann, und über die Besonderheiten des Bildes wider.

Im Rahmen des praktischen Teils der Arbeit werden die Analyse und Interpretation von sechs Bildern (drei Gemälden und drei Fotografien) französischer Maler bzw. Fotografen vorgestellt, die aufgrund vom ausgearbeiteten Schema vorgenommen wurden. Zum einen führen diese Analyse und Interpretation zu interessanten inhaltlichen Erkenntnissen und zeugen zum anderen davon, dass die Anwendung von sprach- und literaturwissenschaftlichen Prinzipien für die Untersuchung von Bildern möglich ist und dass somit Bildern, wie geschriebenen Texten, eine textuelle Basis zugrunde liegt.


Anmerkungen

keine

Ersteller des Eintrags
Inna Kyselova
Erstellungsdatum
Samstag, 01. März 2014, 12:11 Uhr
Letzte Änderung
Samstag, 01. März 2014, 12:11 Uhr