China und der Okzident. Kulturbegegnung im franko-chinesischen Roman (Promotionsprojekt)


Allgemeine Angaben

Projektbeginn
Montag, 11. Oktober 2010
Projektende
Mittwoch, 18. November 2015
Status
abgeschlossen

Aktiv beteiligte Person(en)

(z.B. Kooperation, Mitarbeiter, Fellows)

Lena Bisinger

Passiv beteiligte Person(en)

(z.B. Betreuer, Berater)

Univ.Prof. Dr. Yinde Zhang (Université Sorbonne Nouvelle - Paris 3) Univ.-Prof. Dr. Angelica Rieger (RWTH Aachen)


Exposé

Interkulturelle Beziehungen zwischen China und dem Okzident bestehen bereits seit der Zeit der Han-Dynastie (206 v. Chr.-220 n. Chr.), als die römischen Kaiser begannen, sich für die kostbaren Seidenwaren aus dem Reich der Mitte zu interessieren. Doch noch nie erlangte der Austausch ein solches Ausmaß wie zur heutigen Zeit. Er erstreckt sich auf bedeutende Bereiche in Wirtschaft und Politik ebenso wie auf Kunst, Philosophie und Literatur. Seit der Öffnung Chinas in den 1980er Jahren ist vor allem Frankreich Empfangsland für – dissidente – Intellektuelle und Studenten chinesischer Herkunft geworden, wodurch ein neuer direkter Gedankenaustausch stattfinden kann. Das Promotionsprojekt beschäftigt sich mit der Interkulturalität eben solcher chinesischer Intellektueller in Frankreich im literaturgeschichtlichen Kontext des frankochinesischen Romans. Es behandelt so einen entscheidenden Kernbereich der interkulturellen Beziehungen, denn die Romanautoren initiieren über die Publikation ihrer Werke einen umfangreichen Kulturkontakt mit ihren Lesern und vernetzen ihre chinesische Gedankenwelt mit der französischen Kultur.
Der methodische Ansatz versteht Kultur als offenes, entwicklungsfähiges Gebilde, an dem Menschen kontinuierlich mitwirken: Wenn Clifford Geertz Kultur als ,Text’ definiert, spricht er damit allen kulturellen Zusammenhängen Textstatus zu und betont so den interpretativen Charakter von Kultur als einem Netz von Praktiken und Diskursen, auf die die Handelnden Bezug nehmen und die sie weiterentwickeln und verändern. Für literarische Texte bedeutet dies, dass sie einerseits selbst Elemente in diesem Netz von ‚Texten’ sind und andererseits produktiv Teil an dem großen ‚Text der Kultur’ haben, indem sie Kultur auslegen bzw. darstellen. Das Promotionsprojekt trägt diesen Eigenschaften von literarischen Texten Rechnung, indem es sie zunächst als Ergebnisse einer kulturgeschichtlichen Entwicklung untersucht, und anschließend als Modus der Darstellung und Auslegung eines interkulturellen Systems erfasst. Ausgewählte Romane von fünf exemplarischen Schriftstellern, deren Werke im Hinblick auf eine interkulturelle Thematik besonders relevant sind, bieten die Textbasis des Projekts. Es handelt sich um François Cheng, Gao Xingjian, Dai Sijie, Ya Ding und Shan Sa, deren kulturelles Handeln durch drei kontextuelle Hauptphänomene geprägt wird: Die gemeinsame Erinnerung an China, die Pariser Exilgeschichte und die Konfrontation mit der französischen literarischen Welt.


Anmerkungen

Das Promotionsprojekt wird im Rahmen einer Deutsch-Französischen Doppelpromotion zwischen der RWTH Aachen und der Université Sorbonne Nouvelle – Paris 3 mit Kooperation des CERC Paris (Centre d’Études et de Recherches Comparatistes) durchgeführt. Es wird durch ein Promotionsstipendium der Hanns-Seidel-Stiftung sowie durch ein Mobilitätsstipendium der Deutsch-Französischen Hochschule gefördert.

Ersteller des Eintrags
Lena Bisinger
Erstellungsdatum
Donnerstag, 05. März 2015, 13:41 Uhr
Letzte Änderung
Dienstag, 10. November 2015, 19:14 Uhr