French Interrogative Constructions on TV (Promotionsprojekt)

A corpus-based analysis of the morphosyntax and intonation of question forms in spoken French


Allgemeine Angaben

Projektbeginn
Mittwoch, 15. Oktober 2014
Projektende
Sonntag, 15. Oktober 2017
Status
abgeschlossen
Hochschule
Universität Konstanz
Stadt der Hochschule
Konstanz
Thematik nach Sprachen
Französisch
Disziplin(en)
Sprachwissenschaft
Schlagwörter
Fragesätze, Interrogation, Morphosyntax, Intonation

Aktiv beteiligte Person(en)

(z.B. Kooperation, Mitarbeiter, Fellows)

Janina Reinhardt

Passiv beteiligte Person(en)

(z.B. Betreuer, Berater)

Georg Kaiser


Exposé

Variation in der Intonation und Morphosyntax französischer Fragekonstruktionen

Im heutigen gesprochenen Französisch existieren mindestens acht verschiedene morphosyntaktische Möglichkeiten der Fragebildung: 3 totale and 5 partielle (Coveney 2012; Dewaele 1999, 2000; s. Gadet 1997: 7f. für marginalere w-Fragetypen). Theoretisch könnten diese morphosyntaktischen Formen systematisch mit einer bestimmten Intonation einhergehen. In frühen Werken zur suprasegmentalen Phonologie des Französischen wurden immerhin die semantischen Typen direkt mit einer Intonationskontur assoziiert: Die Annahme lautete, dass die Intonationsverläufe von totalen und partiellen Fragesätzen gegensätzlich sind (Delattre 1966). Während angenommen wurde, dass Entscheidungsfragen mit einem Tonhöhenanstieg vom Grundniveau bis zum oberen Bereich des Tonhöhenumfangs (von Level 2 zu 4) ausgesprochen würden, wies man Ergänzungs-fragen eine fallende Konfiguration (von Level 4 zu 1), dieselbe wie für Anweisungen und Ausrufe, zu.

Wie Delais-Roussarie et al. (2015: 98) beobachtet haben, findet man jedoch sämtliche Tonkombinationen (H*H%, H*L%, L*H%, L*L%) für Ergänzungsfragen, und auch für Entscheidungsfragen scheint lediglich ein einfacher Tonhöhenabfall (L*L%) ausgeschlossen. Scheinbar kann L*L% zwar als prototypische Nuklearkonfiguration für partielle Fragen angenommen werden, doch andere Formen sind möglich und wohl auch nicht unbedingt mit einem Bedeutungsunterschied verbunden (Delais-Roussarie et al. 2015: 89). Was dagegen für w-Fragen allgemeingültig scheint, ist die Assoziation eines Hochtons (Hi oder H*) mit dem Fragewort oder mit einer der Silben der Fragepartikel est-ce que. Dementsprechend ist es nicht überraschend, dass in-situ-Fragesätze generell eher mit einem Tonhöhenanstieg (H*H%, Delais-Roussarie et al. 2015; für die gegensätzliche Annahme von L*L%, s. Di Cristo 1998: 206) verbunden sind, wenn sie auf dem Fragewort enden.
Die intonatorische Variation erscheint also auf den ersten Blick unsystematisch. Meiner Ansicht nach dürfte jedoch weder die Wahl einer morphosyntaktischen Struktur noch die Wahl einer Intonationskontur völlig arbiträr sein. Will man keine freie Variation, also Optionalität im engeren Sinne, annehmen, so gilt es zu ermitteln, unter welchen Bedingungen eine spezifische Frageform gewählt wird. Auch wenn die Untersuchung von französischen Interrogativsätzen bereits eine lange Tradition aufweist, wurde bisher vorwiegend die rein morphosyntaktische Variation untersucht (Coveney 1996; Behnstedt 1973; Söll 1983; Terry 1970; Quillard 2000; Myers 2007; Elsig 2009; Boucher 2010). Die Untersuchung der Intonation bezog sich dagegen vorwiegend auf Deklarativsätze und/oder die Kompositionalität der Intonationsbedeutung (z. B. Portes & Beyssade 2014). Ansonsten wurden intonatorische Bezüge nur kurz und ohne größere Erläuterung der Korpusanalysen zu den morphosyntaktischen Typen hergestellt (Di Cristo 1998; Delais-Roussarie et al. 2015; Léon 2007).
Mein Ziel soll dementsprechend die systematische Untersuchung der Korrelationen zwischen den verschiedenen Form- und Funktionstypen in französischen Fragesätzen sein. Die für mich übergeordnete Forschungsfrage ist daher:
Wie und in welchem Maße bedingen sich die Wahl der morphosyntaktischen und der intonatorischen Variante gegenseitig und inwiefern werden sie jeweils durch semantische/pragmatische (z.B. Rhetorizität oder Kontextbezug), soziostilistische (z.B. junger Sprecher oder formelles Register) und innersprachliche (z.B. Länge der Interrogativphrase oder Sprechgeschwindigkeit) Faktoren bestimmt?

Der Arbeitstitel meiner Dissertation lautet „French Interrogative Constructions on TV: A corpus-based analysis of the morphosyntax and intonation of question forms in spoken French”. Wie dem Titel bereits zu entnehmen ist, versuche ich, die Vorkommnisse morphosyntaktischer und intonatorischer Formen französischer Fragesätzen in einem Korpus von TV-Sendungen zu untersuchen. Dieses Korpus wird derzeit erstellt, in Praat annotiert und mit Hilfe eines Perl Skriptes ausgewertet. Nach der Fertigstellung soll das Korpus auf http://www.ortolang.fr mit sämtlichen Annotationen und Analysen veröffentlicht werden. Als Sendungsformat habe ich jene Unterhaltungsshows gewählt, bei denen sich 4 (Paare von) Kandidat(inn)en gegenseitig besuchen und bewerten, also TF1-Sendungen wie L’addition s’il vous plaît oder Bienvenue chez nous. Angestrebt wird ein Korpus von mindestens 1000 Fragesätzen, welche bereits bei der Annotation qualitativ und letztendlich auch quantitativ untersucht werden. Dieses explorative und empirische Vorgehen soll es ermöglichen, bereits vorhandene Hypothesen zu überprüfen und durch neue Beobachtungen zu ergänzen.

Mein methodologisches Vorgehen werde ich im Rahmen des Congrès Mondial de Linguistique Française anhand eines kleinen Korpus (141 Fragesätze aus 5 Episoden Maya l’Abeille) vorstellen. Außerdem habe ich einen weiteren Konferenzbeitrag zur Intonation französischer Fragesätze in Hörbüchern bei der Association for French Language Studies eingereicht. Derzeit arbeite ich zudem an einer Produktionsstudie zur Intonation in totalen Fragesätzen: Paarweise spielen sich kennende Muttersprachler des Französischen “Qui suis-je?”. Bei diesem Spiel muss die aktive Person durch Fragen, die mit oui oder non beantwortet werden können, herausfinden, wer sie ist. Für alle Studien zeichnet sich bisher ab, dass intonatorische Muster zwar auch strukturell bedingt sind, sie jedoch wohl vor allem als Filter zur Bedeutungsinterpretation gesehen werden können.

References

Behnstedt, Peter. 1973. Viens-tu? Est-ce que tu viens? Tu viens? Formen und Strukturen des direkten Fragesatzes im Französischen (Tübinger Beiträge zur Linguistik 41). Tübingen: Gunter Narr.
Boucher, Paul. 2010. Wh-questions in French and English. In Carsten Breul & Edward Göbbel (eds.), Comparative and Contrastive Studies of Information Structure (Linguistik Aktuell/Linguistics Today), 101–138. Amsterdam: John Benjamins Publishing Company.
Coveney, Aidan. 1996. Variability in spoken French: a sociolinguistic study of interrogation and negation, 2nd edn. Bristol [u.a.]: Elm Bank.
Coveney, Aidan. 2012. L’interrogation directe. Travaux de Linguistique 63(2). 112–145.
Delais-Roussarie, Elisabeth, Brechtje Post, Mathieu Avanzi, Carolin Buthke, Albert Di Cristo, Ingo Feldhausen, Sun-Ah Jun, Philippe Martin, Trudel Meisenburg, Annie Rialland & Sichel-Bazin, Refèu & Yoo, Hi-Yon. 2015. Intonational Phonology of French: Developing a ToBI system for French. In Frota, Sónia & Prieto, Pilar (ed.), Intonation in Romance, 63–100. Oxford: Oxford University Press.
Delattre, Pierre. 1966. Les Dix Intonations de base du français. The French Review 40(1). 1–14.
Dewaele, Jean-Marc. 1999. Word order variation in interrogative structures of native and non-native French. ITL Review of Applied Linguistics(123/124). 161–180.
Dewaele, Jean-Marc. 2000. Structures interrogatives dans le discours Français oral d’apprenants et de locuteurs natifs. In Annick Englebert (ed.), Actes du XXIIe Congrès internationale de linguistique et de philologie romanes, Bruxelles, 23-29 juillet 1998, 69–76. Tübingen: Niemeyer.
Di Cristo, Albert. 1998. Intonation in French. In Daniel Hirst & Albert Di Cristo (eds.), Intonation Systems: A Survey of Twenty Languages, 195–218. Cambridge: Cambridge University Press:
Elsig, Martin. 2009. Grammatical variation across space and time. the French interrogative system (Studies in language variation 3). Amsterdam [u.a.].
Fónagy, I. & Eva Bérard. 1973. Questions totales simples et implicatives en français parisien. In Allan W. Grundstorm & Pierre Léon (eds.), Interrogation et Intonation: En français standard et en français canadien, 53–97. Paris et al.: Didier.
Gadet, Françoise. 1997. La variation, plus qu’une écume. Langue Française 115(1). 5–18.
Léon, Pierre R. 2007. Phonétisme et prononciations du français, avec des travaux pratiques d’application et leurs corrigés (Fac. Linguistique). Paris: Nathan.
Myers, Lindsy L. 2007. WH-Interrogatives in Spoken French: A Corpus-Based Analysis of their Form and Function. Austin: The University of Texas Dissertation.
Portes, Cristel & Claire Beyssade. 2014. Is Intonational Meaning Compositional? http://www.lpl-aix.fr/~c3i/doc/PortesBeyssade_2014.
Quillard, Virginie. 2000. Interroger en français parlé: Études syntaxique, pragmatique et sociolinguistique. Thèse de Doctorat. Tours.
Söll, L. 1983. L’interrogation directe dans un corpus de langage enfantin. In Franz J. Hausmann (ed.), Etudes de grammaire française descriptive (Studies in descriptive linguistics v. 9). Heidelberg: Groos.
Terry, Robert M. 1970. Contemporary French Interrogative Structures. Montréal: Éditions Cosmos.


Anmerkungen

keine

Ersteller des Eintrags
Janina Reinhardt
Erstellungsdatum
Dienstag, 29. März 2016, 13:12 Uhr
Letzte Änderung
Dienstag, 29. März 2016, 13:23 Uhr