Die Logik des essayistischen Gedankens. (Promotionsprojekt)

Zur Analyse der italienischen Essayistik zwischen Fin de Siècle und Zweitem Weltkrieg vor dem Hintergrund der Gattungsgeschichte


Allgemeine Angaben

Projektbeginn
Montag, 02. März 2009
Projektende
Freitag, 07. März 2014
Status
abgeschlossen
Hochschule
Karl-Franzens-Univeristät Graz
Stadt der Hochschule
Karl-Franzens-Univeristät Graz
Thematik nach Sprachen
Italienisch
Disziplin(en)
Medien-/Kulturwissenschaft, Literaturwissenschaft
Schlagwörter
Giovanni Papini, Ugo Ojetti, Emilio Cecchi, Mario Praz, Essayismus, Essay, Reflexionsprosa

Aktiv beteiligte Person(en)

(z.B. Kooperation, Mitarbeiter, Fellows)

Albert Göschl

Passiv beteiligte Person(en)

(z.B. Betreuer, Berater)

Em.Univ.-Prof. Dr.phil. Werner Helmich


Exposé

Das Thema der vorliegenden Arbeit ist die Analyse des italienischen literarischen Essays, der hier als Darstellung eines ästhetisch modellierten Gedankenverlaufs begriffen wird. Die Arbeit ist in drei große Teile gegliedert: einen historischen, einen systematischen und einen interpretatorischen. Im ersten Teil wird – neben einem forschungshistorischen Abriss – die Begriffsgeschichte sowie die gattungsgeschichtliche Entwicklung des italienischen Essays dargelegt. Es zeigt sich darin, wie die Begriffsgeschichte des italienischen Essays zur mangelnden Perzeption der Gattung beiträgt. Die Forschungsgeschichte versucht, die internationale Etablierung eines Interessensgebietes nachzuzeichnen, das sich von vortheoretischen Auseinandersetzungen in der Aufklärung bis hin zu heutigen Konzeptionen des Essayismus entwickelt. Der zweite Teil der Arbeit stellt vorwiegend gattungstheoretische Überlegungen an und erstellt textimmanente Interpretationskategorien.
Der literarische Essay wird hier als Teil der Reflexionsprosa konzipiert, die als vierte Großgattung neben den Bereichen Lyrik, Epik und Dramatik angesetzt werden kann. Die Analyse des logischen Gedankens, wie sie durch unterschiedlichste Denker in der Philosophiegeschichte vorgenommen wurde, dient als Grundlage dafür, eigene essayanalytische Kategorien zu entwickeln, die eine Beschreibung des Gedankenverlaufs als Logik des essayistischen Gedankens ermöglichen sollen. Der strukturellen Beschreibung des Essays liegt das Konzept der essayistischen Sequenz zugrunde, deren Aufbau in Operationen der Darstellung und Operationen der Verknüpfung untergliedert werden kann. Die unterschiedlichen Operationen der Darstellung (basierend auf einer Differenzierung von Darstellungsweisen, Fokalisierung und Extension der essayistischen Sequenz) ergeben in Kombination mit den Verknüpfungsrelationen ein differenziertes Bild essayistischer écriture auf Textebene. Diese Kategorien erlauben es, traditionelle Oppositionen der Essayistik zu überwinden und einzelne Essays und essayistische Strömungen hinsichtlich ihrer Texteigenschaften zu bewerten. Auf Grundlage der Darstellungsweisen lässt sich – je nach Dominanz der einzelnen Sequenzen – von einer deskriptiven, einer narrativen oder einer reflexiven Essayistik sprechen, die unterschiedliche Auswirkungen auf die Gestalt und die Rezeption des Textes haben. Durch diese konzeptionelle Öffnung können auch die Übergänge zwischen klassisch subjektiver Essayistik und ‘prosa d’arte’, die für die italienische Literaturgeschichte einen hohen Stellenwert hat, besser verstanden werden.
Seinen Aufbau betreffend entwickelt sich der essayistische Gedanke aus einem Impuls heraus, der über unterschiedliche Verlaufsformen (u.a. additive, lineare, dialektische oder zirkuläre Verlaufsformen) die Positionierung zwischen dem essayistischen Ich und seiner Umwelt auslotet. Dabei gestaltet sich der Essay in seiner Ausformung als ‘saggio familare’ als ein dezentrales, assoziatives Netz mit einer engmaschigen Struktur, die auf abduktiven und bisoziativen Prozessen beruht. Im dritten Teil, der hauptsächlich auf Interpretationen einzelner Essays beruht, erfolgt eine Auseinandersetzung mit mehreren prototypischen Essays (von Ugo Ojetti, Luigi Pirandello, Italo Svevo, Giovanni Papini, Emilio Cecchi und Mario Praz), die einen exemplarischen Überblick über die Entwicklung des literarischen Essays im beginnenden zwanzigsten Jahrhundert geben sollen. Durch die in dieser Arbeit entwickelten Kategorien soll nicht nur ein besserer Weg zur Beschreibung des essayistischen Gedankengangs gewährleistet werden, sondern auch die Möglichkeit eröffnet werden, bestimmte Merkmale zu prototypischen Arten essayistischer Schreibweise zusammenzufassen.


Anmerkungen

Drittmittelfinanziert von der
Österreichischen Akademie der Wissenschaften
GEWI Dekanat der Karl-Franzens-Universität Graz

Ersteller des Eintrags
Albert Göschl
Erstellungsdatum
Freitag, 04. Februar 2011, 00:08 Uhr
Letzte Änderung
Freitag, 28. März 2014, 12:45 Uhr