Die Behauptung des Dandys (Dissertation)

Eine Archäologie


Allgemeine Angaben

Autor(en)

Fernand Hörner

Verlag
transcript
Stadt
Bielefeld
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Stadt der Hochschule
Wuppertal
Publikationsdatum
2008
Abgabedatum
Dezember 2007
Weiterführender Link
http://www.transcript-verlag.de/ts913/ts913.php
ISBN
978-3-89942-913-8 ( im KVK suchen )
Thematik nach Sprachen
Sprachübergreifend, Französisch
Disziplin(en)
Medien-/Kulturwissenschaft, Literaturwissenschaft
Schlagwörter
Dandy

Betreuer

Vittoria Borsò Ursula Link-Heer


Exposé

Seit fast 200 Jahren ist der Dandy eine Figur, die ebenso Faszination wie Ablehnung hervorruft, in erstaunlicher Regelmäßigkeit sowohl tot gesagt als auch neu entdeckt wird. Diese Dissertation widmet sich der Frage, was der Dandy überhaupt ist. Anders als bei den vorliegenden Untersuchungen stellt diese Arbeit nicht einzelne Schriftsteller-Dandys in das Zentrum, deren Werk unter dem Aspekt des Dandyismus, zumeist nach der Methodik des L’Homme et l’Œuvre interpretiert wird.

Stattdessen werden hier neben Werken kanonisierter Dandy-Autoren, wie George Byron, Thomas Carlyle, Honoré de Balzac, Jules Barbey d’Aurevilly, Charles Baudelaire oder Oscar Wilde bislang unerschlossene Texte wie Essays unbekannter Autoren, Anekdotensammlungen, Reiseberichte, Zeitschriftenbeiträge etc. gleichberechtigt betrachtet. Die Arbeit fokussiert speziell englische und französische Texte und fasst die interkulturellen Übersetzungs- und Übertragungsphänomene ins Auge.

Ausgangspunkt ist die Übertragung und Umwandlung von Foucaults Formationsregeln, die er in der Archéologie du savoir für wissenschaftliche Diskurse formuliert, auf die Literatur, um so das Konzept der Behauptung zu entwickeln. Leitbild dabei ist die Untrennbarkeit beider Bedeutungen des Begriffs Behauptung – Aussagen und Sich-Durchsetzen –, welche ich auf zwei Ebenen betrachte. Auf der ersten Ebene geht es um die Taktiken, mit denen sich der Dandy durch Bonmots in Szene setzt, sich durch schlagfertige Aussagen selbst behauptet. Auf der anderen Ebene wird ebendiese Selbstbehauptung als ein Resultat literarischer Darstellung gesehen und nach den Grundlagen gefragt, mit denen diese behauptet wird. Diese Grundlagen, d.h. die Modalität, die Konzepte sowie die Taktiken der Behauptung bilden zusammen mit der Frage nach der Selbstbehauptung die vier Kapitel, nach denen die Arbeit strukturiert ist.

Das erste Kapitel, die Behauptung des Subjekts zeigt, ausgehend vom “ersten Dandy” George Brummell, wie dessen Selbstbehauptung als König der Mode und sein Benutzen des Wortes als Waffe durch Anekdoten behauptet wird. Darauf aufbauend kann herausgearbeitet werden, wie die fashionable novels von Edward Bulwer-Lytton, Thomas Lister oder William Massie, Balzacs Traité de la vie élégante und Barbeys Essay Du Dandysme et de Georges Brummell dieses anekdotische Wissen um Georges Brummell dazu verwenden, um die historische Figur Brummell mit fiktionalen Figuren zu überblenden und die Bedeutung der Anekdoten zu reflektieren.

Das zweite Kapitel, die Behauptung des Autors fasst die Beziehung zwischen Autor und Text genauer ins Auge. Die soziologische These Pierre Bourdieus, dass sich die Etablierung des Autors im literarischen Feld durch die dandyistische Ästhetik des l’art pour l’art auszeichnet, wird literaturwissenschaftlich kritisch überprüft. Dabei wird anstelle einer Kongruenz der Position des Autors und seiner Stellungnahme durch sein Werk eine ambivalente Beziehung zu dessen fiktionalen Figuren aufgezeigt. So machen Oszillation zwischen Realität und Fiktion und eine unauflösbare doppelbödige Ironie die Konstruktion einer eindeutigen Autorintention unmöglich.

Das dritte Kapitel, die Behauptung von Originalität und Exzentrik fasst diese beiden Konzepte als zentral für die paradoxe Behauptung des Dandys zwischen Einzigartigkeit und massenhafter Verbreitung auf. Neben der Rezeption der als typisch englisch behaupteten Eigenschaften von Originalität und Exzentrik durch die Figur George Byrons spielen Barbeys und Baudelaires Behauptungen von Exzentrik und Originalität eine große Rolle.

Das vierte Kapitel, die Taktiken der Behauptung, zeigt die gemeinsamen und widersprüchlichen Taktiken auf, die sowohl den Texten des 19. Jahrhunderts als auch heutigen literarischen, musikalischen und medialen Inszenierungen zugrunde liegen: Einerseits George Brummell als einzigen Dandy, andererseits die Universalität und Allgegenwärtigkeit des Dandyismus zu etablieren; den Dandy gleichzeitig als Opfer und als ultimativer Ausdruck der gesellschaftlichen Umwälzungen von der Dekadenz bis zum Zeitalter des Internets zu sehen.

Inhalt

Vorwort 9

1. Einleitung 11

2. Der Stand der Forschung 15

3. Theorie und Methode 25
3.1 Die Demokratisierung der Text-Kontext-Beziehung 26
3.1.1 Die Anekdote 28
3.1.2 Elementare und elaborierte Literatur 32
3.2 Die Behauptung der Behauptung 33
3.2.1 Positivität und Performativität 34
3.2.2 Realität und Fiktionalität 38
3.2.3 Kultur und Text 39
3.2.4 Objekt und starkes Subjekt 42
3.2.5 Modalität, Autor und literarisches Feld 45
3.2.6 Die Begriffe Originalität und Exzentrik 52
3.2.7 Strategie und Taktik 57

4. Die Behauptung des Subjekts 63
4.1 Die Brummelliana 65
4.1.1 Selbstbehauptung und Ironie 66
4.1.2 Das Wort als Waffe 68
4.1.3 Karneval und the great George himself 70
4.1.4 Die Ikonographie des Broken Beau 73
4.1.5 Oralität und Ondit 77
4.1.6 Mythos und die Funktion von Kartoffelstärke 80
4.1.7 Geschichtsschreibung und der fat friend 84
4.1.8 Theatralität und ein Dinner for One 87
4.2 Die Anekdote in Balzacs Traité de la vie élégante 89
4.3 Die Anekdote in den fashionable novels 91
4.4 Die Anekdote in Barbeys Du Dandysme 97
4.4.1 L’influence 98
4.4.2 La manière 102
4.4.3 Die Anekdote als Form 106

5. Die Behauptung des Autors 109
5.1 Die Position von Byron 110
5.1.1 Die Friktion des Außenseiters 115
5.1.2 Die Ironie des broken dandy 118
5.2 Die Behauptung Byrons in England 125
5.3 Die Position von Carlyle 132
5.3.1 Die Friktion des Byronkritikers 133
5.3.2 Die Ironie des Autors 135
5.4 Die Behauptung Byrons in Frankreich 136
5.5 Die Position von Gautier 142
5.5.1 Die Friktion der Jeunes-France 143
5.5.2 Die teuflische Ironie 151
5.6 Die Position von Baudelaire 156
5.6.1 Die Friktion beim habit noir und bei Guys 158
5.6.2 Die Ironie des Flaneurs 167
5.7 Die Position von Wilde 170
5.7.1 Die Friktion zwischen Leben und Werk 172
5.7.2 Die paradoxe Ironie 175
5.8 Barbey: Die Materialität der Behauptung 178

6. Die Behauptung der Originalität und Exzentrik 181
6.1 Das Über-Setzen des Dandys 182
6.1.1 Die Behauptung der originality 184
6.1.2 Das Über-Setzen der originality 187
6.1.3 Die Behauptung der eccentricity 189
6.1.4 Das Über-Setzen der eccentricity 193
6.1.5 Byroniana. Byron als exzentrisches Originalgenie 195
6.2 Gautiers elaborierte Behauptung 198
6.3 Die Regularität von excentricité, originalité und dandy 205
6.4 Barbeys elaborierte Behauptung 214
6.4.1 Die Behauptung der Originalität 215
6.4.2 Die Behauptung der Exzentrik 220
6.4.3 Die taktische Behauptung des Originals 225
6.4.4 Die taktische Behauptung der Ex-zentrik 227
6.5 Baudelaires elaborierte Behauptung 229

7. Die Taktiken der Behauptung 235
7.1 Der erste und letzte Dandy 236
7.2 Ursprung und Genealogie 240
7.3 Etymologie 246
7.4 Kulturelle Herkunft 251
7.5 Der black dandy als schwarz-weißes Original 256
7.6 Der Ursprung des Geschlechts 260
7.7 Posthume Prototypen 271
7.8 Aristokratie und Nichts 277
7.9 Selbstverlust und self-fashioning 282
7.10 Auraverlust und Reproduzierbarkeit 287
7.11 Glanz und Elend in der Popkultur 294
7.12 Ende und Neugeburt in der Konfektionsmode 299

8. Zusammenfassung 303

9. Die Zukunft des Dandys. Von Henry zu Moses Pelham 307

Literatur 313

Abbildungen 354


Anmerkungen

keine

Ersteller des Eintrags
Fernand Hörner
Erstellungsdatum
Mittwoch, 03. Februar 2010, 20:10 Uhr
Letzte Änderung
Mittwoch, 03. Februar 2010, 20:10 Uhr