Frankreichs Regionalsprachen im Parlament (Dissertation)

Von der 'Pétition pour les langues provinciales' 1870 zur 'Loi Deixonne' 1951


Allgemeine Angaben

Autor(en)

Olivier Moliner

Verlag
Praesens Verlag
Stadt
Wien
Hochschule
Freie Universität Berlin
Stadt der Hochschule
Berlin
Publikationsdatum
2010
Abgabedatum
2009
Reihe
Beihefte zu 'Quo vadis, Romania?', 36
Weiterführender Link
http://www.praesens.at/praesens/index.php?option=com_content&view=article&id=525:978-3-7069-0562-6&catid=49:romanistik&Itemid=53
ISBN
978-3-7069-0562-6 ( im KVK suchen )
Thematik nach Sprachen
Elsässisch, Deutsch, Flämisch, Baskisch, Katalanisch, Bretonisch, Okzitanisch, Französisch
Disziplin(en)
Landeskunde, Geschichte, Sprachwissenschaft
Schlagwörter
politische Parteien und Sprachen, André Marty, Vichy-Sprachenpolitik, II. Weltkrieg, Sozialgeschichte der Sprachen Frankreichs., Albert Dauzat, Leo Weisgerber, Henri Gaidoz, Hyacinthe de Charencey, Charles de Gaulle, Maurice Deixonne, Antoine Vourc'h, Félix Gouin, Jean Jaurès, Fréderic Mistral, Jordi Reboul, Léon Toulemont, Sprachlobbyisten, Methodenstreit, IV. Republik, III. Republik, Pétition pour les langues provinciales, Loi Deixonne, Sprachgesetzgebung, Sprachdenken, Sprachpolitik, Radicaux, SFIO, MRP, Kommunismus

Betreuer

Jürgen Trabant


Exposé

Auch wenn die französischen Parlamentarier seit über 200 Jahren über Frankreichs Regionalsprachen, z.B. das Okzitanische oder das Bretonische, kontrovers diskutieren, fehlen bislang grundlegende Studien über die parlamentarische Geschichte der Regionalsprachen und ihre Akteure. Das vorliegende Buch versucht einige Forschungslücken zu schließen, indem es sich historisch den Vorgängen in beiden Parlamentskammern von 1900 bis 1951 widmet.

Nach einem chronologischen Gesamtüberblick, der eine genaue Listung und Zuordnung der parlamentarischen Initiativen von 1900 bis 1939 ermöglicht, wird mit Hilfe von vier Schwerpunkten die Prähistorie der späteren Loi Deixonne (1951), Frankreichs erstem Gesetz, das partiell die schulische Einführung der Regionalidiome ermöglicht, historisch erhellt. Ausgehend von dem liberalen Basistext Pétition pour les langues provinciales (1870) werden die Argumentationsmuster, Stereotypen sowie Motive der Anhänger und Gegner bis zum Vorabend des Zweiten Weltkrieges untersucht. Auf diese Weise wird u.a. gezeigt, dass die Forderung nach einer Förderung der Provinzialsprachen älter ist, als die obligatorische und kostenlose Volksschule von Jules Ferry, dass der Okzitanisch sprechende Jean Jaurès zum Leidwesen der Regionalsprachen erst recht spät von der Linken rezipiert wurde und dass die elsässisch-lothringischen Abgeordneten wiederholt für das Elsässisch/Hochdeutsche als „zweite Nationalsprache“ gestritten haben. Die Sprachpolitik Vichys sowie die deutsche Sprachpolitik im Zweiten Weltkrieg belastet die Aktion der Sprachenfreunde zusätzlich. Die quellenbasierte Rekonstruktion der Umstände der Gesetzgebung, die in das fertige Gesetz Deixonne mündet, verdeutlicht warum Kommunisten wie Christlichsoziale sich dennoch so kurz nach dem II. Weltkrieg dem Kampf für die Regionalsprachen verschrieben haben. Methodisch ist die Arbeit im Kontext der Historiographie sowie der Geschichte der Sprachwissenschaft angesiedelt, sie ist ferner eingebettet in das langfristige Projekt einer „Sozialgeschichte der Sprachen Frankreichs“. Die Untersuchung speist sich aus einer Vielzahl von unpublizierten Dokumenten, sie klärt auf über einige bisher verborgen gebliebene biographisch-politischen Hintergründe der parlamentarischen Sprachlobbyisten, zudem werden erstmals Teile der Korrespondenz zwischen dem Keltologen Henri Gaidoz und dem provenzalischen Literaturnobelpreisträger Frédéric Mistral ediert und in den Zeitkontext eingeordnet.


Anmerkungen

keine

Ersteller des Eintrags
Olivier Moliner
Erstellungsdatum
Dienstag, 06. April 2010, 17:19 Uhr
Letzte Änderung
Dienstag, 06. April 2010, 17:19 Uhr