Der traumatisierte Raum. (Monographie)

Insistenz, Inschrift, Montage bei Freud, Levi, Kertész, Sebald und Dante


Allgemeine Angaben

Autor(en)

Judith Kasper

Verlag
De Gruyter
Stadt
Berlin, New York
Stadt der Hochschule
Habilitationsschrift; Universität Potsdam
Publikationsdatum
2016
Auflage
1
Reihe
Mimesis
Weiterführender Link
http://www.degruyter.com/view/product/463648
ISBN
978-3-11-044922-8 ( im KVK suchen )
Thematik nach Sprachen
Sprachübergreifend, Italienisch, Französisch
Disziplin(en)
Medien-/Kulturwissenschaft, Literaturwissenschaft
Schlagwörter
Psychoanalyse, Raumtheorie, Traumatheorie

Betreuer

Prof. Ottmar Ette


Exposé

Mit dem Konzept des traumatisierten Raums wird gezeigt, wie die Geschichte der Zerstörung, die das Europa des 20. Jahrhunderts durchzieht, nicht mehr als zeitliche Abfolge, sondern als räumliche Zersprengung gedacht werden muss. Der psychoanalytisch zugespitzte Trauma-Begriff, der durch eine Relektüre von Freuds diesbezüglich entscheidenden Schriften gewonnen wird, ermöglicht es, herkömmliche Raumvorstellungen auf eine andere Topologie hin zu öffnen, mit der Europa als reale und zugleich phantasmatische KZ-Landschaft in den Blick rückt. Levi, Kertész und Sebald wissen etwas davon, insofern ihre Texte, jenseits ihres dokumentarischen Werts, zu einer grundsätzlichen Verunsicherung der Repräsentationen des Raums der Vernichtung beitragen. Wenn in ihnen die Trope des Inferno eine Rolle spielt, so wird damit nicht mehr auf eine vermeintlich stabile Weltordnung verwiesen, die durch Dantes Commedia garantiert wäre. Vielmehr wirft die insistente Wiederkehr des Inferno in den Zeugenschaften über das Lager die Frage auf, wie es um das Wirken des Traumatischen in Dantes Raumordnung selbst bestellt ist.

Inhalt

Einführung

1. Innehalten, Aufmerken
2. Verfahren: Heterotopologie als Montage
3. Zum Aufbau der Arbeit

Erster Teil

I. Zur Genese des ‚traumatisierten Raums’

1. Das Trauma zwischen Ereignis und Struktur
2. Fremdkörper, Ausnahme, Rest
3. Zone Lager. Von den Orten des Verbrechens zum traumatisierten Raum
4. Der Rand als Zone entsetzten Sprechens
5. Trauma im Zeichen des Triebes
6. Statt Heilung – Sprachspiel

II. Deuten, Nachträumen, Montieren: Über Freuds Traum vom brennenden Kind

1. Der Einsatz eines Traums
2. Der Traum im Zeichen der Verdopplung
3. Vor und nach – stets daneben
4. Übertragung, Montage, Trauer
5. Der ausgreifende Brand

Zweiter Teil

III. „Ritorno“, mise en abyme, Parenthese: Primo Levis Schreiben über Auschwitz

1. Vorbemerkungen zur Forschungslage und Vorgehensweise
2. Im Lager von der Zukunft träumen
3. Zuhause vom Lager träumen
4. Zehn Tage außerhalb der Welt und der Zeit
5. Heimkehr: Von einem Lager zum nächsten
6. Insistenz des Gedichts
7. Dante rezitiert und zitiert

IV. Raum ohne Mangel: Imre Kertész’ Roman eines Schicksallosen

1. Kaum merkliche Schwellen
2. Grenz- und Angstlosigkeit
3. Pervertierte Sprache
4. Sprachtics
5. Draußen: Konfrontation mit der „Hölle“
6. Schritte machen
7. Vom Glück der Konzentrationslager

V. Eine Raumtheorie des Lagers in Romanform: W. G. Sebalds Austerlitz

1. Orte als Übertragungsstätten
2. Familienähnlichkeit, Signatur, Stereometrie
3. Topographie, Toponymie, Inschrift
4. „Lager“ und seine Abkömmlinge
5. Vom Stereotyp zum Hypogramm
6. Die französische Nationalbibliothek und das Phantasma eines Lagers
7. Der stets versetzte Schauplatz

Dritter Teil

VI. Insistenz, Inversion, Paradox: Dante Alighieris Commedia

1. „Dante in Auschwitz“. Methodische Vorbemerkungen
2. Zeitlosigkeit und das verändernde Wort
3. Inferno I: Traumatischer Anfang
4. Inversionen, Konversionen, Torsionen
5. Inferno V: Äquivozitäten und Rückfälle
6. Inferno XX: Verdrehte Körper, verdrehte Verse
7. Inferno XXXIV: Ausgang per Kopfstand
8. Purgatorio: Fortwährende Sprachlosigkeit
9. Angesichts der Gefahr zu verbrennen: weibliche Inklinationen
10. Paradiso: Reich des Paradoxes

Epilog


Anmerkungen

keine

Ersteller des Eintrags
Judith Kasper
Erstellungsdatum
Mittwoch, 06. Juli 2016, 12:33 Uhr
Letzte Änderung
Samstag, 09. Juli 2016, 12:00 Uhr