Die Lukasevangelien auf Caló (Monographie)

Die Ursachen ihrer Sprachinterferenz und der Anteil des Spanischen


Allgemeine Angaben

Autor(en)

Markus Dietze

Verlag
AV Akademikerverlag
Stadt
ohne Angabe
Publikationsdatum
2017
Reihe
Geisteswissenschaften
Weiterführender Link
https://www.morebooks.de/store/de/book/die-lukasevangelien-auf-cal%C3%B3/isbn/978-3-639-86723-7
ISBN
978-3-639-86723-7 ( im KVK suchen )
Thematik nach Sprachen
Spanisch
Disziplin(en)
Sprachwissenschaft
Schlagwörter
the eighteen-thirties, sublanguage, Spain, slang, secret languages, romanticism, romani mixed dialect, romani language, romani dialect, roma people, relexification, regrammaticalization, pogadization, pidginization, nineteenth century, mixed language, majism, linguistic interference, language transfer, language mixing, language change, history of the gitanos, hispano-romani language, gospel of st luke, genesis of calo, flamenco cult, Felix Pabano, dandyism, creolization, creole-languages, creole, costumbrism, carlist war, The Zincali, The Bible in Spain, Super-Calo, Stutzertum, Sprachwandel, Sprachmischung, sprachliche Interferenz, Sprachinterferenz, Spanien, Sondersprache, Romantik, Romani-Misch-Dialekte, Romani-Dialekt, Romani, Roma, Relexifizierung, Regrammatikalisierung, Quindale, Pseudo-Calo, Pogadisierung, Pidginisierung, Pidgin, Para-Romani, Mischsprache, Pabano, Majismus, Majismo, Lukasevangelium, Luis Usoz y Rio, Language Intertwining, Kreolsprachen, Kreolisierung, Kreol, Kostumbrismus, Karlistenkrieg, Jerga, Jargon, Hispano-Romani, Gitano, Geschichte der Gitanos, Germania, George Borrow, Geheimsprache, Francisco de Sales Mayo, Flamenquismo, Flamenco-Kult, Flamenco, Felix Manzano, Felipe Scio de San Miguel, Entstehung des Calo, Embeo e Majaro Lucas, Criscote e Majaro Lucas, Costumbrismo, Code-Mixing, Code-Switching, Calo, British Bible Society, Borromani, Aficion, 19. Jahrhundert, 1830er Jahre

Exposé

Das Buch behandelt die beiden von George Borrow angefertigten Übersetzungsversionen des Lukasevangeliums auf Caló, die 1837 und 1872 veröffentlicht wurden. Es liefert einen ersten detaillierten linguistischen Vergleich eines Teiles der beiden Versionen und stellt das Caló der Evangelien in einem sehr umfassenden Kontext vor, wodurch sich eine Vernetzung linguistischer, kulturwissenschaftlicher und literaturwissenschaftlich interessanter Aspekte ergibt.
Die Darstellung der nichstrukturellen Ursachen der Sprachinterferenz des Calós der Lukasevangelien ist das Ziel des ersten Teils. Dazu wurden sich die folgenden Fragen gestellt: Welche nichtstrukturellen Ursachen führten zum Zustand des Calós der Mitte der 1830er Jahre in Spanien? In welchem Zustand war das Caló, das Borrow vorfand? Wie und warum kann dieses Caló entstanden sein? Wie und warum entstand das von George Borrow in den Lukasevangelien verwendete Caló? Entlang dieser Fragen gliedert sich der erste Teil der Arbeit. Es wird in Kapitel I.1.1. zunächst kurz auf das sprachliche Ausgangsmaterial, das die Roma nach Spanien mitbrachten, und ihren Weg nach Spanien eingegangen. Damit soll die Frage beantwortet werden, wie es überhaupt zur Sprachkontaktsituation kam. Die Kapitel I.1.2. bis I.1.4. beschäftigen sich mit dem soziokulturellen Rahmen, der den Gitanos in Spanien bis ins 19. Jahrhundert gegeben war, als nichstrukturelle Ursache für die erfolgte Sprachinterferenz. In diesen Kapiteln tritt die Schnittstelle zur Kulturwissenschaft besonders deutlich hervor. Es wird darin veranschaulicht, wie sich das Wechselspiel von sozialer Ablehnung und sozialem Prestige einer Ethnie auf deren Sprachentwicklung auswirken kann. Das Kapitel I.2.1. fragt danach, in welchem Zustand das Caló war, das Borrow in Spanien vorfand, und will diese Frage durch das Betrachten von Quellen des Calós, die dem Borrow’schen Lukasevangelium von 1837 vorausgehen, beantworten. Kapitel I.2.2. zeichnet die bisher geführten Diskussionen über die Fragen, wie und warum das Caló entstanden ist, nach. Im Kapitel I.3. wird speziell auf das Entstehen der Lukasevangelien auf Caló, was das Betrachten des Lebens George Borrows mit einschließt, und auf die psycholinguistischen Faktoren, die das darin benutzte Caló beeinflusst haben können, eingegangen.
Im zweiten Teil geht es um den Text selbst. Dabei werden mehrere Teilziele verfolgt. Die erste Frage lautet: Wie kann man als Hispanist das Caló der Lukasevangelien lesen? Um eine Lektüre zu ermöglichen, werden dem Hispanisten Hilfen für das Verständnis des Calós der Evangelien zur Verfügung gestellt. Dazu dienen die Kapitel II.1.1. und II.1.2. als Ergänzung zum Anhang 1. Im Kapitel II.1.3.1. wird dann anhand von Textausschnitten vorgeführt, wie sich aus Caló-Texten der Evangelien Übersetzungen ins Spanische ergeben. Der zweite Textausschnitt in Kapitel II.1.3.2. soll durch die Manuskripte zu den beiden Druckversionen der Evangelien veranschaulichen, welche Entwicklung das Caló George Borrows genommen hat. Ab Kapitel II.2. wird sich einer ähnlichen Frage, die auch das Caló George Borrows betrifft, gewidmet: Vom Caló, das das Evangelium von 1872 enthält, wurde behauptet es sei “a ‘purer’ caló less adulterated than his [Borrow’s] first version by Hispanicisms” oder Borrow sei „im Laufe seines Lebens zunehmend puristischer [geworden] und wollte 1872 ein möglichst reines Hispano-Romani ohne spanische Lehnwörter schaffen, das aber sicherlich kein einziger Gitano jemals sprach oder verstand“ oder das Caló von 1872 sei “what we might call Borromani, a concocted dialect not actually spoken by anyone”. Diese Neuschöpfung eines purifizierten Calós durch umfangreiche Wortbildungen, Entlehnungen aus konservativen Romaní-Dialekten und systematischer Vermeidung spanischer Lexeme wird von Marcel Cortiade auch als „Super-Caló“ bezeichnet. Marcelo Romero Yantorno behauptet, man könne das „klassische“ Caló des 19. Jahrhunderts von diesem künstlich geschaffenen Caló dadurch unterscheiden, dass das echte Caló ein Verhältnis von zwei spanischen Wörtern auf ein Caló-Wort aufweist. Aus all diesen Behauptungen erwuchs die letzte Zielsetzung des Buches, nämlich einen wissenschaftlichen Nachweis dafür zu erbringen, dass der Anteil des Spanischen im Caló des Evangeliums von 1872 tatsächlich gegenüber dem Anteil des Spanischen im Caló des Evangeliums von 1837 gesunken ist; herauszufinden, wie groß die Anteile des Spanischen in den beiden Versionen tatsächlich sind, und zu untersuchen, inwieweit das Kriterium von Yantorno auf die Evangelien zutrifft. Ridler verwies in ihrem Artikel “Sidelights on George Borrow’s Gypsy Luke” lediglich darauf, dass ein detaillierter linguistischer Vergleich der beiden Versionen außerhalb des gegebenen Rahmens ihres Artikels liegen würde. Zum Zeitpunkt des Verfassens des Buches war ein solcher linguistischer Vergleich auch noch nicht vorgenommen worden. Damit dieser Vergleich auch Aussagen darüber gestatten würde, in welchen Bereichen George Borrow besonders viel oder besonders wenig nicht authentisches Caló-Material eingeflochten und damit den Anteil des Spanischen gesenkt oder gehoben hat, wurde er im Buch nach Wortarten geordnet durchgeführt. Dabei entsteht ganz nebenbei eine Grundlage, die zukünftige Nachforschungen über dieses Thema erleichtern können. In den Kapiteln II.2.1. und II.2.2. kann man nachlesen, wie bei diesem Vergleich vorgegangen wurde und welche Ergebnisse er gebracht hat. Im Anhang 1 sind detaillierte Ergebnisse dargestellt.

Inhalt

o. Vorwort & Danksagung
i. Einleitung
i.i. Begriffsbestimmung
i.ii. Zielsetzung der Arbeit

Teil I:
Die Ursachen der Sprachinterferenz in den Lukasevangelien

I.1. Die Geschichte der Gitanos bis ins 19. Jahrhundert
I.1.1. Die prähispanische Phase
I.1.2. Die erste Phase von 1425 bis 1499
I.1.3. Die zweite Phase von 1499 bis 1783
I.1.4. Die dritte Phase im 19. Jahrhundert

I.2. Die Genese des Calós bis ins 19. Jahrhundert
I.2.1. Denkmäler des Calós vor den Evangelien
I.2.2. Die Debatte um die Genese des Calós
I.2.2.1. Caló versus Pidgin-/Kreolsprachen: Boretzky (1985) und Romero Yantorno
I.2.2.2. Code-Switching, Pogadisierung, Geheimsprachen und Language Intertwining: Bakker & van der Voort (1991)
I.2.2.3. Archaismen, kryptische Formationen, andalusische Merkmale und unabhängige Lexikentwicklung: Bakker (1995)
I.2.2.4. Das katalonische Romaní als Indiz für die zeitliche Einordnung: Boretzky (1992)
I.2.2.5. Das Caló als Alltagssprache und im Vergleich mit anderen Romaní-Dialekten: Boretzky (1998)
I.2.2.6. Von der Alltagssprache zum geheimsprachlichen Vokabular: Bakker (1998)
I.2.2.7. Zusammenfassung der Debatte

I.3. George Henry Borrow
I.3.1. Kurzbiographie
I.3.2. Borrows Romaní-, Spanisch- und Caló-Kenntnisse

Teil II:
Der Anteil des Spanischen in den Lukasevangelien

II.1. Texterschließung für Hispanisten
II.1.1. Wörterbücher
II.1.2. Grammatik
II.1.2.1. Caló-Deklinationssuffixe
II.1.2.2. Caló-Hilfsverben
II.1.3. Textausschnitte
II.1.3.1. Textausschnitt 1: Titelseiten und Vorworte Borrows
II.1.3.2. Textausschnitt 2: Lukas 15, 1 – 4

II.2. Wortartenspezifische Analyse des Anteils des Spanischen
II.2.1. Vorgehen
II.2.2. Auswertung

II.3. Schluss

Anhänge

Anhang 1: Vergleich des Anteils des Spanischen in Lukas 1 – 8, 25 der Lukasevangelien auf Caló von 1837 und 1872 in wortartenspezifischen, systematisierten und kommentierten Wortfrequenzlisten
A.1. Flektierbare Wortarten
A.1.1. Die Artikel
A.1.2. Die Substantive
A.1.3. Die Eigennamen
A.1.4. Die Pronomina
A.1.4.1. Die Personal- und Reflexivpronomina
A.1.4.2. Die Demonstrativpronomina
A.1.4.3. Die Possesivpronomina
A.1.4.4. Die Relativpronomina
A.1.4.5. Die Indefinitpronomina
A.1.5. Die Adjektiva
A.1.6. Die Verba
A.1.7. Die Numeralia
A.2. Unflektierbare Wortarten
A.2.1. Die Adverbien
A.2.2. Die Präpositionen
A.2.3. Die Interrogativa
A.2.4. Die Konjunktionen
A.2.5. Die Interjektionen

Anhang 2: Paralleltexte Lukas 1 – 8, 25: Borrows Übersetzungsversionen auf Caló von 1837 und 1872 und die Übersetzung auf Spanisch von Felipe Scío de San Miguel

Abbildungsverzeichnis
Tabellenverzeichnis
Quellenverzeichnis


Anmerkungen

keine

Ersteller des Eintrags
Markus Dietze
Erstellungsdatum
Samstag, 04. November 2017, 14:49 Uhr
Letzte Änderung
Sonntag, 05. November 2017, 09:36 Uhr