An Schmerzgrenzen (Promotionsprojekt)

Aktualisierung(en) des Frauenkörpers bei Violette Leduc und Nicole Caligaris


Allgemeine Angaben

Projektbeginn
Mittwoch, 21. Januar 2015
Projektende
Mittwoch, 31. Oktober 2018
Status
laufend
Hochschule
Universität Hamburg
Stadt der Hochschule
Hamburg
Thematik nach Sprachen
Französisch
Disziplin(en)
Literaturwissenschaft
Schlagwörter
Schmerzpoetik, Grenzüberschreitung, Avantgardeliteratur, Feminismus/Gender

Aktiv beteiligte Person(en)

(z.B. Kooperation, Mitarbeiter, Fellows)

Franziska Kutzick


Exposé

Violette Leduc und Nicole Caligaris nehmen verletzte Frauen an den Grenzen von Artikulation und Repräsentation in den Blick. Im tagebuchartigen Prosagedicht L’Affamée (Leduc, 1948) steht das unerfüllte, erotische Begehren eines namenlosen, weiblichen Ich zu einer anderen Frau im Zentrum, die nur als „Madame“ benannt ist, aber als eine literarische Transfiguration von Simone de Beauvoir erkannt werden kann. Im Liebesleid der Erzählerin gerät der Text zu einer Bühne, auf der die Weltwahrnehmung und die in Phantasiegestalten auftretenden subjektiven Empfindungen der Erzählerin ineinander verschwimmen. Der Schmerz äußert sich als Unterbrechung sprachlicher Kommunikationsfähigkeit, die die Poesie in verwüstete Bildwelten transformiert. In Le Paradis entre les jambes (Caligaris, 2013) nähert sich die Erzählerin einem kannibalistischen Verbrechen an einer Studentin, dessen indirekte Zeugin sie wurde. Der doku- wie auch autofiktionalen Text ist ebenso wie L’Affamée in jeder Hinsicht transgressiv, denn er stellt das Tabu des Kannibalismus in ein Spannungsverhältnis mit kulturellen Entwürfen und Anforderungen des Frauseins. Die Erzählerin, die sich und ihren im Entstehen begriffenen Text auch selbst zum Erzählgegenstand macht, inszeniert dabei ihre Abscheu vor dem erzählten Sujet als narratives Verfahren.
Trotz der zeitlich auseinanderliegenden Publikationsdaten, Nachkriegszeit und beginnendes 21. Jahrhundert, besteht die Gemeinsamkeit von L’Affamée und Le Paradis entre les jambes in der Schmerz- und Verletzungspoetik, die Leduc und Caligaris anhand kulturgeschichtlicher und zeitgenössischer Diskurse um Frauenkörper entwerfen. Die Ausgangshypothese der Dissertation ist, dass die Texte von Leduc und Caligaris Inszenierungen von Frauen und Schmerz als literarischen Topos und gesellschaftliches Klischee hervorheben und im Rückgriff auf den jeweiligen kulturpolitischen Kontext verzerrt wiedergeben. Eine Untersuchung dieser These erlaubt es unter anderem, in L’Affamée und Le Paradis entre les jambes sowohl feministische wie auch feminismuskritische Aspekte herauszuarbeiten und die Texte in ihrem zeitgenössischen künstlerisch-literarischen Umfeld als Avantgardeliteratur zu (re-)perspektivieren.


Anmerkungen

keine

Ersteller des Eintrags
Franziska Kutzick
Erstellungsdatum
Mittwoch, 13. September 2017, 15:37 Uhr
Letzte Änderung
Mittwoch, 13. September 2017, 15:40 Uhr