Hemisphärische Konstruktionen der Amerikas (Sammelband)


Allgemeine Angaben

Herausgeber

Ottmar Ette Peter Birle Marianne Braig Dieter Ingenschay

Verlag
Vervuert Verlag
Stadt
Frankfurt am Main, Madrid
Publikationsdatum
2006
Reihe
Iberoamericana (Reihe Bibliotheca Ibero-Americana, Bd. 109)
Weiterführender Link
http://www.uni-potsdam.de/romanistik/ette/ette/publikationen/pub_hg-2006.html
ISBN
978-3-86527-283-6 ( im KVK suchen )
Thematik nach Sprachen
Spanisch
Disziplin(en)
Medien-/Kulturwissenschaft
Schlagwörter
Simon Bolívar, Peter Birle, Monika Walter, Dieter Ingenschay, Christian U. Baur, Marianne Braig, Dr. Marcel Vejmelka, Humboldt-Universität zu Berlin, Freie Universität Berlin, Ibero-Amerikanisches Institut, Universität Potsdam, Forschungsverbund Lateinamerika Berlin-Brandenburg, Grenzen, Transterritorialidad, Transkultur, Transregionalismus, Globalisierung, Alexis de Tocqueville, Modernismo, Moderne, José Martí, Tordesilla, USA, Monroe-Doktrin, Panamerikanismus, Independencia, Kolonialismus, Indianer, Europa, Recherches philosophiques sur les Américains, Neue Welt, Lateinamerika, Cornelius de Pauw

Exposé

Vorwort

Im Vorwort zum ersten, 1768 zu Berlin in französischer Sprache erschienenen Band seiner Recherches philosophiques sur les Américains hielt der 1739 in Amsterdam geborene Cornelius de Pauw nicht nur den scharfen Gegensatz zwischen der geistig und technologisch wohlvorbereiteten Tat der »Entdeckung Amerikas« und den durch nichts zu rechtfertigenden menschenverachtenden Greueltaten der Eroberung weiter Teile des Kontinents fest, sondern betonte auch und vor allem die Kluft zwischen Alter und Neuer Welt, die sich am Ende des 15. Jahrhunderts aufgetan habe:

Welcher Gelehrte der Antike hätte jemals vermutet, daß derselbe Planet zwei so unterschiedliche Hemisphären besitzt, wobei die eine von der anderen besiegt, unterworfen und geradezu verschlungen wurde, nachdem die letztere – nach langen Jahrhunderten, die sich in der Nacht und im Abgrund der Zeiten verlieren – Kenntnis von deren Existenz erhalten hatte? (Pauw 1768: 2)

Binnen kürzester Frist, so der holländische Abbé in seinem ebenso berühmten wie (auf Grund der radikal verfochtenen These von der naturgegebenen Inferiorität alles Amerikanischen) berüchtigten Werk, hätten sich durch diese Ereignisse, die die wichtigsten innerhalb der gesamten Menschheitsgeschichte darstellten, völlig konträre Machtverhältnisse etabliert, die auf unabsehbare Zeit zu einem fundamentalen Ungleichgewicht zugunsten der Europäer führen mußten. Auf der Seite dieser Europäer aber hätten – so de Pauw, dessen Schrift jahrzehntelange Auseinandersetzungen und Polemiken um die Neue Welt auslösen sollte – von Beginn an “alle Gewalt und alle Ungerechtigkeit” (Pauw 1768: 2) gelegen.

Kein Zweifel: Hemisphärische Konstruktionen spielen im europäisch-amerikanischen Spannungsfeld bereits seit dem Ende des 15. Jahrhunderts und der Erkenntnis Amerigo Vespuccis, bei den von Columbus für die Europäer zugänglich gemachten Gebieten handele es sich nicht um Asien und damit um einen »alten«, bekannten Weltteil, sondern um einen wirklichen Mundus Novus, eine wichtige und prägende Rolle. Auf diskursiver und epistemischer Ebene regelte die Unterscheidung zwischen »Alter Welt« und »Neuer Welt« die Zirkulation wie die Speicherung von Wissen und materiellen Gütern ebenso wie die Implementierung von Biopolitiken, die – wie die Verdrängung der indigenen Bevölkerung in Rückzugsgebiete, die Einführung schwarzer Sklaven aus den Kolonialgebieten der »Alten Welt« oder eine kolonialistisch gesteuerte Einwanderungspolitik – ganz selbstverständlich an den Interessen der »Alten Welt« und insbesondere der iberischen Mächte ausgerichtet waren. Die kategoriale Unterscheidung zwischen beiden »Welten« erfaßte dabei alle Aspekte und Felder des Wissens, von der Konzeption eines von Europa aus zu missionierenden Kontinents und dessen Integration in einen einzigen heilsgeschichtlichen Zusammenhang bis hin zu Geognosie und Geologie, wo die Vorstellung, es handle sich bei Amerika um eine »neuere«, in ihrer Entwicklung noch nicht weit fortgeschrittene da erst vor kurzem aus dem Meer emporgestiegene Welt, über Buffon und de Pauw hinaus bis weit ins 19. Jahrhundert hinein fortbestand und fortwirkte. Der sich über Jahrhunderte erstreckende »Disput um die neue Welt« belegt die Wirkmächtigkeit, aber auch die Brisanz dieser diskursiven Scheidung, deren oft unterschwellig strukturierende Kraft nicht nur im »alten Europa« noch heute keineswegs vollständig gebrochen ist.

(…)

Inhalt

Ottmar Ette: Alexander von Humboldt: hemisphärische Konstruktionen und transregionale Wissenschaft

Marianne Braig/Christian U. Baur: Geteilte westliche Hemisphäre oder wo liegt eigentlich Mexiko?

Dieter Ingenschay: Hemisphärische Blicke auf literarische AIDS-Diskurse (vor allem im Süden der Amerikas)

Monika Walter: Postkoloniales oder postmodernes Erzählmodell? Ein hemisphärischer Blick auf Erzählpraxis und Theoriedebatten von testimonio und témoignage

Peter Birle: Brasilien und die Amerikas: Lateinamerika und die USA als Bezugspunkte der brasilianischen Außenpolitik


Anmerkungen

170 Seiten

Ersteller des Eintrags
Ottmar Ette
Erstellungsdatum
Dienstag, 02. März 2010, 11:41 Uhr
Letzte Änderung
Dienstag, 02. März 2010, 11:41 Uhr