Rassedenken in der Sprach- und Textreflexion. (Sammelband)

Kommentierte Grundlagentexte des langen 19. Jahrhunderts.


Allgemeine Angaben

Herausgeber

Philipp Krämer Markus Messling Markus Lenz

Verlag
Fink
Stadt
München
Publikationsdatum
2015
ISBN
978-3-7705-5876-6 ( im KVK suchen )
Thematik nach Sprachen
Sprachübergreifend, Portugiesisch, Spanisch, Italienisch, Französisch
Disziplin(en)
Medien-/Kulturwissenschaft, Sprachwissenschaft, Literaturwissenschaft
Schlagwörter
Geschichte der Literaturwissenschaft, Geschichte der Sprachwissenschaft, Rassismus, Rassedenken, Philologiegeschichte, 19. Jahrhundert

Exposé

Die Philologie hat im 19. Jahrhundert wesentlich zum europäischen Rassismus beigetragen, gegen diesen aber auch zentrale anthropologische Wissensbestände behauptet. Der Band zeigt diesen Prozess anhand von Grundlagentexten und erläuternden Kommentaren.
Früher als biologische Rassenlehren lieferte philologisches Wissen grundlegende »Erkenntnisse« über Ursprünge, Wesen und Potenziale menschlicher Kollektive. Die Entdeckungen der Sprach- und Textreflexion erlaubten eine rassenlogische Hierarchisierung des Menschen auf der Grundlage eines Erbfolgedenkens, das für die europäischen Völker eine Vorrangstellung innerhalb der Weltgeschichte beanspruchte. Diese »Erkenntnisse«, abgeleitet anhand von Indizien der Sprach- oder Schriftstrukturen, der Textformen und Überlieferungsströme, sind daher keine weichen Faktoren der Wissenschaftsgeschichte, die harte Wissensbestände ergänzt hätten, sondern stellen Konstruktionsbedingungen für das Erkenntnisobjekt Mensch im 19. Jahrhundert dar.

Mit Texten von: Friedrich Schlegel, Lewis Cass, Julius Klaproth, Carlo Cattaneo, Arthur de Gobineau, August Friedrich Pott, Ernest Renan, Friedrich Nietzsche, Friedrich Max Müller, Gaston Paris, Marcelino Menéndez y Pelayo, Hugo Schuchardt, René de Poyen-Bellisle, Lucien Adam.

Inhalt

Vorwort und editorische Notiz der Hg.

FRIEDRICH SCHLEGEL
Ueber die Sprache und Weisheit der Indier
JÜRGEN TRABANT (Freie Universität Berlin) – Kommentar:
Indien vs. Amerika

LEWIS CASS
Die Indianer Nordamerikas
Die Struktur der indianischen Sprachen
Die Aussiedlung der Indianer
KURT MUELLER-VOLLMER (Stanford University) – Kommentar:
Zwischen Aufklärung und Rassismus: Zur Frühgeschichte der amerikanischen Linguistik und Ethnologie

HEINRICH JULIUS KLAPROTH
Fragment über die Rassen und über die Sprachen des alten und neuen Kontinents
UTE TINTEMANN (BBAW) – Kommentar:
Julius Klaproth und die ethnographisch-linguistische Beschreibung des asiatischen Kontinents

CARLO CATTANEO
Das historische Prinzip der indo-europäischen Sprachen
MARKUS A. LENZ (Universität Potsdam) – Kommentar:
Ethnische und sprachliche Genealogie in Carlo Cattaneos Rezension zu Biondellis Europäischem Sprachatlas

ARTHUR DE GOBINEAU
Versuch über die Ungleichheit der Menschenracen
MARKUS MESSLING (Universität Potsdam) – Kommentar:
Von der Adelsranküne zur Rassentheorie: Gobineaus Sprach- und Kulturanthropologie

AUGUST FRIEDRICH POTT
Die Ungleichheit menschlicher Rassen, hauptsächlich vom sprachwissenschaftlichen Standtpunkte
CÉLINE TRAUTMANN-WALLER (Université Sorbonne Nouvelle – Paris III) – Kommentar:
August Friedrich Potts sprachwissenschaftliche Kritik an Gobineaus Essai sur l’inégalité des races humaines

ERNEST RENAN
Über den Anteil der semitischen Völker an der Zivilisationsgeschichte
PASCALE RABAULT-FEUERHAHN (CNRS / ENS Paris) – Kommentar:
Ernest Renans „Laboratorium der Philologie“: Rassebegriff und liberaler Anspruch

FRIEDRICH NIETZSCHE
Beiträge zur Quellenkunde und Kritik des Laertius Diogenes
MARCEL LEPPER (Deutsches Literaturarchiv Marbach) – Kommentar:
Quellenkunde, Rassenpolitik, Herkunftsfrage: Friedrich Nietzsches philologische Verfahren

FRIEDRICH MAX MÜLLER
Die Heimat der Arier
CHRISTOPHER HUTTON (Hong Kong University) – Kommentar:
Das philologische Paradigma in der Krise

GASTON PARIS
Romani, Romania, Lingua Romana, Romanicum
URSULA BÄHLER (Universität Zürich) – Kommentar:
Über den Versuch, den Rassendiskurs zu überwinden, und die Schwierigkeiten, die sich dabei ergeben können

MARCELINO MENÉNDEZ Y PELAYO
Einleitung zum Kursprogramm der spanischen Literatur
Anthologie hispano-amerikanischer Poeten
SERGIO UGALDE QUINTANA (Universidad Nacional Autónoma de México) – Kommentar:
Marcelino Menéndez y Pelayo: Imperium, Nation, Rasse und Philologie

HUGO SCHUCHARDT
Über die Klassifikation der romanischen Mundarten
ALEXANDER KALKHOFF (Universität Regensburg) & JOHANNA WOLF (Universität Salzburg) – Kommentar:
Vom Wunderbaum zum Regenbogen

LUCIEN ADAM
Die negro-arischen und malayo-arischen Idiome: Versuch einer linguistischen Hybridologie
RENÉ DE POYEN-BELLISLE
Die Laute und Formen des Kreolischen auf den Antillen
PHILIPP KRÄMER (Freie Universität Berlin) – Kommentar:
Kreolistik als Hybridologie, Kreolisierung durch Physiognomie: Lucien Adam, René de Poyen-Bellisle und die französischen Kreolsprachen

Schlagwortregister


Anmerkungen

keine

Ersteller des Eintrags
Philipp Krämer
Erstellungsdatum
Donnerstag, 22. Oktober 2015, 16:50 Uhr
Letzte Änderung
Freitag, 23. Oktober 2015, 22:32 Uhr