FJR Bern 2014: "Räume der Romania"

Frv 2014

Vom 27.-29. März 2014 findet an der Universität Bern das 30. Forum Junge Romanistik statt. Die Veranstaltung trägt den Titel “Räume der Romania” und bietet dem gesamten romanistischen Nachwuchs die Möglichkeit zum wissenschaftlichen Austausch im Bereich der Sprach-, Kultur- und Literaturwissenschaften sowie der Fachdidaktik.

Abstracts werden bis zum 30. November 2013 unter fjr2014(at)rom.unibe.ch entgegengenommen. Der Call for Papers ist hier einsehbar sowie, ebenso wie alle weiteren Informationen, unter http://www.kas.unibe.ch/fjr2014/.

Organisationsteam

Melanie Würth
Gloria Scarano
Silvia Natale
Etna Krakenberger
André Horak
Corinne Fournier
Natalia Fernández Rodríguez
Giovanna Cordibella
Nadine Chariatte

Call for Papers

Mit dem auf den Humangeographen Edward W. Soja zurückzuführenden Begriff des spatial turn vollzog sich ab Ende der 1980er Jahre ein Paradigmenwechsel in den Kultur- und Sozialwissenschaften, der den Raum bzw. die Räumlichkeit als Forschungsgegenstand ins Zentrum rückt und als Grundlage kultureller Praxen und Ordnungen zu bestimmen sucht, sowie die Humangeographie als Impulsgeberin für transdisziplinäre Debatten (wieder-) entdeckt. Es handelt sich um eine neue Raumauffassung, die den Raum nicht mehr nur als starres physisches Element versteht, sondern als Produkt sozialer Beziehungen und soziokulturell geprägter menschlicher Wahrnehmung. Er muss daher als intersubjektiv geschaffene und sich ständig in Prozess befindende soziale Konstruktion und nicht als objektive Realität betrachtet werden.

Gegenwärtig kann man von einer gewissen Konsolidierungsphase der Diskussion sprechen: Die methodisch-konzeptuelle Profilierung der verschiedenen Raumbegriffe und die disziplinenspezifische Überprüfung der verschiedenen Theorien und Methoden sind in den letzten Jahren Gegenstand intensiver Forschungsarbeit. Diese Auseinandersetzung mit dem Raum in seinen verschiedensten Dimensionen in Kultur-, Literatur- und Sprachwissenschaft sowie in der Fachdidaktik zu reflektieren und weiterzuführen ist das Ziel des 30. Forums Junge Romanistik, welches vom 27.-29. März 2014 an der Universität Bern stattfindet und von den Instituten für französische, italienische und spanische Sprach- und Literaturwissenschaft der Universität Bern gemeinsam mit dem Center for the Study of Language and Society (CSLS) und der Sociedad Suiza de Estudios Hispanicos (SSEH) sowie dem Collegium Romanicum der Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften durchgeführt wird.

Kulturwissenschaften

Als Mikrokosmos des alltäglichen Lebens und Makrokosmos der globalen Ströme wird der Raum als kulturelle Größe und als Grundlage kultureller Praxen und Ordnungen, als Bühne historischer und kultureller Ereignisse betrachtet. Kulturwissenschaftliche Fragestellungen beziehen sich einerseits auf den real vorhandenen Raum, seine Nutzungen, Erschließung und Gliederung in kulturellen Praxen, andererseits aber auch auf dessen Wahrnehmung, Interpretation, Repräsentationen oder Funktion zur Definition einer lokalen soziokulturellen Identität.

Mögliche Anknüpfungspunkte:
- räumliche Praxen
- räumliche Identitäten
- Raumwahrnehmungen
- Repräsentationen des Raumes
- Mobilität, Bewegung, Reise
- Raum in den Medien
- Raum im Film
- Raum und Gender

Sprachwissenschaft

In der Linguistik entstand die Verbindung zwischen Sprache und Raum mit dem Aufkommen der Dialektologie, die den Raum als topographische Einheit betrachtet, die den Sprachgebrauch des Individuums beeinflusst und konditioniert. Auch in der heutigen Romanistik findet sich diese Auseinandersetzung mit dem Raum in Studien zu Regionalsprachlichkeit, Stadtdialektologie, Kontaktlinguistik oder der Abbildung von Variation im Raum, wobei die Multidimensionalität der Variation und deren Abbildung in modernen Sprachatlanten die Linguistik vor eine Vielzahl von neuen Aufgaben stellt.

Im Zuge des spatial turn hat die Auseinandersetzung mit dem Raum auch in Disziplinen wie der Soziolinguistik, der Diskursanalyse oder der Interaktionslinguistik vermehrt an Bedeutung gewonnen. Aus der modernen Perspektive wird der Raum nicht mehr nur als topologischer oder sozialer Tatbestand verstanden, sondern als dynamisches Element der Kommunikation, das eine aktive Funktion in der Definition einer soziokulturellen oder lokalen Identität einnimmt.

Der Paradigmenwechsel in der Verbindung zwischen Sprache und Raum fällt zudem in eine Epoche, in welcher die Begriffe Raum und Räumlichkeit durch die Entstehung virtueller Räume neue Dimensionen erhalten. Das WorldWideWeb hebt räumliche Distanzen auf und schafft so neue, entterritorialisierte Räume. Diese virtuellen Räume entstehen durch und in der Kommunikation, die aufgrund ihrer doppelten Natur als Raum und Medium eine Herausforderung für die moderne linguistische Forschung darstellt.

Mögliche Anknüpfungspunkte:
- Varietätenlinguistik: Das Miteinander von Varietäten im Raum
- Kognitive Linguistik: sprachliche Repräsentationen und Konstruktionen des Raumes; Perzeptive Dialektologie
- Soziolinguistik: Sprachkontaktforschung/Interferenzphänomene; Mehrsprachigkeit; Migrationslinguistik; linguistic landscapes
- Interaktionslinguistik: Raum als dynamisches Element der Kommunikation
- Sprachpolitik: neue Sprachnormierungsräume

Literaturwissenschaft

Der Raum ist seit jeher eine zentrale literaturwissenschaftliche Kategorie. Die Diskussionen, die unter dem Schlagwort spatial turn geführt wurden, brachten eine Neubetonung des Raumkonzepts in Kultur- und Sozialwissenschaften und von da aus auch in den Literaturwissenschaften mit sich. Aus literaturwissenschaftlicher Sicht geht es um die Gestaltung von Räumen in literarischen Texten, aber auch um die Bedeutung des Raums für deren Strukturierung und um die Relevanz von Raumkonzepten für die Organisation kulturellen Wissens. Gerade für die Literaturgeschichtsschreibung hat die Auseinandersetzung mit dem Paradigma Raum neue Ansätze hervorgebracht, etwa mit der Literaturgeographie oder mit den gerade auch in der Romania (z.B. in Italien) realisierten Projekten literarischer Atlanten.

Erwünscht sind Beiträge, die die literaturwissenschaftliche Forschung zum Raum in der Romanistik erfassen, die aktuelle Projekte vorstellen und Möglichkeiten der Untersuchung literarischer wie virtueller Räume skizzieren.

Mögliche Anknüpfungspunkte:
- Geographische Räume und literarische Topographien: Erinnerungsräume und Topographien der Erinnerung; literarische Landschaften: Traditionen und Transformationen; Stadt und Architektur als moderne Raum-Inszenierungen
- Textuelle Raum-Konzepte: narratologische, thematologische, formale, gattungs- und textsortenspezifische Modellierungen literarischer Räume
- Virtuelle Räume: literarische Kulturräume der Romania; literarische Utopien und Science fiction; Raum und Hypertext
- Topologie literarischer Texte: Struktur, Architektur, Form oder Figurativität von Texten
- Raum und Literaturgeschichtsschreibung in der Romania
- räumliche Wissensordnungen: nationale / internationale Vermittlung / Medialisierung von Wissen
- Verbindung von Raum und Zeit in literarischen Erzählungen
- Raum und (romanische) Identität

Fremdsprachendidaktik

Raummobilität und Kontakt im Raum führt dazu, dass Menschen eine weitere Sprache erlernen, um die Fähigkeit der Kommunikation zu sichern. Auch die intensive Beziehung zu anderen Sprachräumen, die auf politische, ökonomische, geographische oder kulturelle Grundlagen zurückzuführen sind, führen dazu, dass eine weitere Sprache neben der Muttersprache erlernt wird. In Bezug auf die kognitiven Entwicklungen, die den Erwerb weiterer Sprachen bestimmen, liefert die Spracherwerbsforschung interessante Impulse. Die Beschreibung zum Erstspracherwerb (hierzu zählen auch bilingualer oder multilingualer Spracherwerb) und Zweitspracherwerb befasst sich mit den Mechanismen, die das Erlernen von sprachlichem Wissen und sprachlicher Fähigkeiten beleuchtet.

Mögliche Anknüpfungspunkte:
- Zweitsprachenerwerb
- Lernformen in virtuellen Räumen
- Räumliche Variation im Fremdsprachenunterricht
- Interdisziplinarität: Konzepte und Methoden der Raumwissenschaften im Unterricht

Bei Interesse bitten wir um Zusendung eines Abstracts im Umfang von max. 400 Wörtern (exkl. Bibliographie) bis zum 30. November 2013 an fjr2014@rom.unibe.ch. Geben Sie auf dem Abstract bitte Ihren Namen, das Institut und die Universität, Ihre Disziplin (KW / SW / LW / FD) und 5 Keywords an. Vorträge in einer romanischen Sprache (Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch) werden begrüßt.

Die Benachrichtigung über die Annahme des Abstracts erfolgt Mitte Januar 2014. Im Anschluss an das Forum ist eine Publikation ausgewählter Beiträge vorgesehen. Weitere Informationen zum Forum Junge Romanistik finden Sie unter www.kas.unibe.ch/fjr2014.