Stadt: Marbach am Neckar

Frist: 2019-11-10

Beginn: 2020-08-26

Ende: 2020-08-29

URL: https://www.dla-marbach.de/forschung/tagungen/

Internationales Symposium
Deutsches Literaturarchiv Marbach
26. bis 29. August 2020

Eine Kooperation von:
Universität Bielefeld, Deutschland / Deutsches Literaturarchiv Marbach, Deutschland / Linköping Universität, Schweden / Schwedische Akademie, Stockholm, Schweden

Allgemeine Bemerkungen
Der Nobelpreis für Literatur ist der bekannteste und renommierteste Literaturpreis der Welt. Seit seiner ersten Verleihung im Jahr 1901 hat sich der Preis als Inbegriff kulturellen Wertes etabliert. Angesichts dieser Bedeutung ist es umso bemerkenswerter, dass über seine Funktionsweise wenig bekannt ist und sein tatsächlicher Einfluss auf das globale literarische Feld bisher wenig erforscht wurde. Das mag damit zusammenhängen, dass die systematische Erforschung der Funktions- und Wirkungsweise des Literaturnobelpreises eine Aufgabe von enormer Dimension und Komplexität ist. Ausgehend von aktuellen Studien aus dem Bereich der Komparatistik und Literatursoziologie zu Auszeichnungen und Preisen, Anerkennung und Wertschätzung, möchten wir diese Aufgabe angehen und Expertinnen und Experten weltweit zu einem internationalen und interdisziplinären Nobelpreissymposium ins Deutsche Literaturarchiv Marbach einladen.

Der Aufstieg des Nobelpreises: Produktion und Rezeption von Literatur im Nobelzeitalter
Angesichts der enormen Aufmerksamkeit, die der Literaturnobelpreis jedes Jahr auf der ganzen Welt erfährt, scheint seine Bedeutung außer Frage zu stehen. Inwieweit aber stimmt dieses öffentliche Bewusstsein mit den tatsächlichen Auswirkungen des Preises auf das literarische Feld überein? Inwiefern hat der Nobelpreis die Rezeption bestimmter Autorinnen und Autoren und ihrer Werke bereichert, beeinflusst, geprägt und verändert? Inwieweit markiert der Nobelpreis einen Wendepunkt in der Karriere seiner Preisträger oder auch nur solcher Autorinnen und Autoren, die öffentlich damit in Verbindung gebracht wurden? Mit Blick auf die Nobelautorinnen und -autoren, die auch in den meisten Fällen im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit und Diskussion stehen, laden wir Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus allen Kontinenten zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der so genannten “Wirkung” des Nobelpreises, d.h. dem Nachweis seiner tatsächlichen Auswirkungen, ein.

Solche “Nobelpreis-Effekte” können verschiedene Formen annehmen und betreffen nicht nur Autorinnen und Autoren, sondern vielmehr auch Verlage, Druckereien und Lieferanten, Literaturagenten und Übersetzer, Spediteure und Buchhändler (Großhändler, Einzelhändler), Journalisten und Literaturkritiker und schließlich die Buchkäufer und Bibliothekskarteninhaber, mithin also die öffentliche Leserschaft. Der Nobelpreis kann im Hinblick auf seinen intellektuellen Einfluss und seine Publizität, aber auch im Hinblick auf wirtschaftliche und soziale Zusammenhänge, ideologischen Einfluss und Geschmack oder politische und rechtliche Sanktionen (Zensur, Import- und Exportbestimmungen, kommerzieller Druck vs. öffentliche Mittel usw.) betrachtet werden. Die spezifischen Formen und Funktionen kultureller Vermittlung müssen berücksichtigt werden und sollen Teil des geplanten Unterfangens sein.

Dennoch scheint die Wirkung des Nobelpreises letztlich von der Bedeutung eines Autors und seines Werkes vor und nach Verleihung des Preises und damit der öffentlichen Assoziation mit der Auszeichnung abzuhängen. Die Frage der Autorschaft im Nobelpreiszeitalter scheint daher ein natürlicher Ausgangspunkt für die Bestimmung der kulturellen “Reichweite” des Preises zu sein. Wie reagieren Autorinnen und Autoren auf die öffentliche Aufmerksamkeit? Wie präsentieren sie sich vor und während der Preisverleihung, in der Dankesrede oder in Interviews? Hat der Preis Einfluss auf ihr weiteres Schreiben? Wie gestaltet der Preis andererseits die öffentliche Aufmerksamkeit gegenüber einem Autor oder einer Autorin, z.B. in kritischen Rezensionen, im Radio, im Fernsehen oder in den sozialen Medien (Facebook, Twitter etc.)? Inwiefern wirkt sich der Preis auf Verlage aus – auf Leistungskennzahlen, Marketingstrategien, Vertrieb, Umsatz, Gewinne, Prioritätsverschiebungen im Ausgabenprofil oder sogar auf die mit dem Preis verbundenen Beschäftigungszahlen? Kann man signifikante Veränderungen in der Selbstvermarktung von Autorinnen und Autoren beobachten? In der Quantität und Qualität von Übersetzungen? Wie beeinflusst der Nobelpreis die Wissenschaft und die intellektuelle Öffentlichkeit im Allgemeinen (Konferenzen, Veranstaltungen, etc.)? Wird einen Autorin oder ein Autor durch die Eigenschaft als Nobelpreisträger plötzlich zu einem Bezugspunkt für andere Autorinnen und Autoren? Und aus der Sicht des Literaturarchivs: Steigen die Preise von Nachlässen von Nobelpreisträgern? Kurzum: Inwieweit hat der Nobelpreis die globalen Diskurse und Praktiken der Literatur im kulturellen Feld des 20. und 21. Jahrhunderts geprägt?

Wir laden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der (vergleichenden) Literatur- und Kulturwissenschaft, Soziologie und Buchwissenschaft sowie Forscherinnen und Forscher, deren Arbeiten für die Erforschung des Nobelpreises relevant sind, zu Beiträgen ein. Erwünscht sind insbesondere Beiträge, die kritische oder archivbezogene Forschung mit theoretischer und methodischer Reflexion verbinden. Wir begrüßen daher (qualitative, quantitative, empirische, statistische) Best-Practice-Studien, die sich auf Aspekte/Akteure im globalen kulturellen Feld konzentrieren (Autoren, literarische Texte, Verlage, Agenten, globale Märkte, öffentliches Bewusstsein, Wissenschaft, Presse usw.), sowie Beiträge, die (beginnend mit den Sammlungen des Deutschen Literaturarchivs und der Schwedischen Akademie) diskutieren, wie eine archivarische Perspektive historische und kritische Studien zum Nobelpreis bereichern kann. Wie kann Archivforschung am besten in bestehende Diskurse integriert werden? Welche Art von Quellmaterial sollte herangezogen werden, und in welcher Reihenfolge?

Bitte reichen Sie Abstracts (300 Wörter, vorzugsweise in Englisch) für eine 30-minütige Präsentation mit kurzen bio-bibliographischen Angaben bis zum 10. November 2019 per E-Mail an forschung@dla-marbach.de ein.
Die Konferenzsprache ist Englisch. Die Kosten für Anreise und Unterkunft während der Tagung werden übernommen.

Veranstalter:
Prof. Dr. Carlos Spoerhase, Dr. Jørgen Sneis, Universität Bielefeld, Deutschland
Prof. Dr. Sandra Richter, Dr. Anna Kinder, Dr. Jan Bürger, Deutsches Literaturarchiv Marbach
Dr. Jacob Habinek, Linköping Universität, Schweden
Prof. Dr. Mats Malm, The Swedish Academy, Stockholm, Schweden

Beitrag von: Lydia Schmuck

Redaktion: Christoph Behrens