Schreiben bedeutet stets auch lesen: Es bedeutet, sich mit schon Geschriebenem auseinanderzusetzen, in einen Dialog mit anderen Schriftstellern einzutreten. Dabei werden nicht nur immer wieder die Grenzen der Sprache ausgelotet; durch das Überschreiten solcher Grenzen erweitert sich zugleich auch jedes Mal der Horizont.

Die Dichter Raoul Schrott und Davide Rondoni haben sich in ihrem Dialog mit den Vorgängern beide unter anderem intensiv mit einem italienischen Dichter beschäftigt: mit Giacomo Leopardi. Er wird gern als einer der drei großen italienischen Dichter der Romantik bezeichnet; vor allem aber scheint er sich einer Einordnung in Kategorien permanent zu entziehen: Nicht zuletzt wohl dank solcher Offenheit, die sich den klar definierten Schubladen widersetzt, ist das Werk Leopardis letztlich seiner Zeit weit voraus und gilt der Autor heute geradezu als Begründer der modernen Lyrik. Vielleicht ist dies der Grund, weshalb er in Italien noch immer rezipiert wird und einige seiner Gedichte ein fester Bestandteil im kollektiven Gedächtnis der Italienerinnen und Italiener sind: Fast niemand kennt nicht zumindest den letzten Vers des berühmten, 1819 veröffentlichten Gedichts L’infinito: «e il naufragar m’è dolce in questo mare» oder «und Schiffbruch ist mir süß in diesem Meer» (in der erneuten, «mit einer ausdrücklichen Verbeugung vor Paul Heyse» entstandenen Übersetzung von Burkhart Kroeber, die bislang unveröffentlicht ist). Doch auch über Italien hinaus genießt dieses nur fünfzehn Verse lange Gedicht große Beliebtheit, wie nicht zuletzt die zahlreichen Übersetzungen und Übertragungen zeigen, deren jüngste erst kürzlich erschienen sind.

Aus dem Dialog mit Leopardis_ Infinito_ sind unter anderem zwei verschiedene Übertragungen Raoul Schrotts und ein Essay Davide Rondonis entstanden: zwei verschiedene Wege der Auseinandersetzung, die zugleich den Auftakt geben für «Poesia», das neu gegründete «Deutsch-italienische Forum für zeitgenössische Lyrik». Ausgehend von diesen Texten wird sich in der Eröffnungsveranstaltung am 4.12.2019 ein Dialog zwischen den beiden (oder besser: den drei) Dichtern entspinnen, der zugleich ein Gespräch über das Dichten selbst – heute und vor 200 Jahren –, über die Bedeutung der Lyrik und des Schreibens werden kann: Wir sind gespannt.

Ein Abend in deutscher und italienischer Sprache – der Eintritt ist frei.

Alle an Lyrik, an den Autoren, an Literatur Interessierten sind herzlich eingeladen und willkommen.

Zeit und Ort:
am 4. Dezember 2019 um 18.00 Uhr an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, im Foyer, Marktplatz 7
Die Organisatorinnen:
Anna Castelli, Barbara Kuhn, Katharina List, Sabrina Maag
Kontakt:
Prof. Dr. Barbara Kuhn
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
barbara.kuhn@ku.de

Beitrag von: Chiara Savoldelli

Redaktion: Christoph Behrens