Verstörte Landschaften - Paysages perturbés
Stadt: Caen (Frankreich)
Beginn: 2026-03-18
Ende: 2026-03-20
In seinem Roman Heimkehr nach Fukushima (2018), der die Frage der Wiederbewohnbarkeit des radioaktiv verseuchten Gebiets aufwirft, verwendet Adolf Muschg den Begriff „verstörte Landschaften“ als literarisch wie philosophisch aufgeladenes Bild, das mehr als nur zerstörte Natur oder Umwelt meint. Es geht auch um die seelische, kulturelle und historische Dimension von Landschaft, besonders in Bezug auf Verdrängung, Schuld und Erinnerung.
Es ist eine Landschaft, die die Spuren der Zerstörung in sich trägt, die nicht zwingend sichtbar sind. Die Natur- und Technikkatastrophe in Fukushima hat die Menschen eine Zeit lang aus ihrem Lebensraum zurückgedrängt. Welche Konsequenzen hat das nun für die Landschaft, wenn sich die Natur diesen Lebensraum zurückerobert (la nature reprend ses droits)? Wie verhält es sich bei anderen Naturkatastrophen: Soll beispielsweise ein von einem Bergsturz zerstörtes Dorf wiederaufgebaut werden? Gibt es ein Zurück zum „natürlichen“ oder „ursprünglichen“ Zustand der Dorflandschaft? Im Zentrum der Tagung steht die Frage, wie Literatur in ihren imaginären Räumen die veränderten und verstörten Landschaften gestaltet. Wie schreibt sich der Begriff der Landschaft in die Ökokritik-Debatte ein? Wie gestaltet sich das Verhältnis zwischen Anthropozän und Posthumanismus? Kommt es tatsächlich zu einer „Renaissance der Landschaftsforschung“ (Collot)?
Mittwoch, 18. März
14:00 Hildegard Haberl & Martina Kopf: Einführung/Introduction
Moderation/ Présidente de séance: Hildegard Haberl (Caen)
14:30 Bertrand Guest (Angers) : De chaos encadrés. Ordres & désordres des paysages et de leur concept
15:10 Urte Stobbe (Köln): Elblandschaften: Vulnerabilität und künstlerische Rekompensation in Katharina Hagenas Flusslinien (2025)
15:50 Pause
Moderation/ Présidente de séance: Martina Kopf (Caen)
16:20 Corinne Fournier Kiss (Bern): Poetik versunkener Landschaften – oder wie diktatorische Logik die Erinnerung an Orte verfälscht
17:00 Pause
17:30 Lesung
Lesung mit Lucie Taïeb (Paris, Orléans)_ La mer intérieure. En quête d’un paysage effacé_, Flammarion 2024
Amphithéâtre MRSH
20:00 Abendessen/ Dîner
Donnerstag, 19. März
Moderation/ Présidente de séance: Anne-Marie Pailhès
9:00 Catrin Gersdorf (Würzburg): Landschaft mit Baum: Zur zeitgenössischen afroamerikanischen Lyrik
09:40 Nicole Winter (Würzburg): Die verstörte Landschaft als Ort der Erinnerung in Souviens-toi des abeilles von Zineb Mekouar
10:20 Pause
10:50 Charlotte Ladevèze (Augsburg) : Paysages alpins sous tension : les barrages hydroélectriques à la conquête des montagnes. Imaginaires, mémoires et formes de contestation littéraire
11:30 Sophia Mehrbrey (Heidelberg): Verdrängte Erinnerung und kontaminierte Landschaften: Weltkriegserfahrungen im Alpenraum im Spiegel der Gegenwartsliteratur
12:10 Pause
Moderation/ Présidente de séance: Annette Lensing (Caen)
14:30 Martina Kopf (Caen): „Une écologie de décroissance“: Die Alpenlandschaften Jean-Marc Rochettes
15:10 Katja Schubert (Paris Ouest Nanterre): Steine, Schrift und Stimmen: Von gestörtem Gelände und von der Erinnerung als Aufgabe
19:30 Abendessen/ Dîner
Freitag, 20. März
Moderation/ Présidente de séance: Sophia Mehrbrey
09:00 Matthias Naumann und Felicitas Kübler (Würzburg, Klagenfurt): Literary Geographies, räumliche Repräsentationen und die Geographien von Romanen: Eine Politische Geographie der ostdeutschen ‘Baseballschlägerjahre’-Literatur
09:40 Kirsten von Hagen (Giessen): Verstörte Landschaften – Vom Schreiben gegen das Verschwinden: Poetiken des Cares bei Gabrielle Filteau-Chiba
10:20 Pause
10:50 Hildegard Haberl (Caen): „Das Grün explodiert“: Literarischer Blick auf verstrahlte Landschaften (Christa Wolf, Adolf Muschg, Laure Coromines)
11:30 Abschlussdiskussion/ Discussion de clôture
Beitrag von: Martina Kopf
Redaktion: Robert Hesselbach