Stadt: Chur (Schweiz)

Frist: 2026-07-19

Beginn: 2027-01-28

Ende: 2027-01-29

URL: https://www.phgr.ch/vals

Call for Papers

VALS-ASLA Tagung 2027 (Vereinigung für Angewandte Linguistik in der Schweiz)

In Beziehung zur Sprache: Spracheinstellungen in Gesellschaft, Familie und Schule

In einer sich ständig wandelnden, zunehmend komplexen und pluralen Welt nehmen Einstellungen oft eine zentrale Rolle im gesellschaftlichen Diskurs ein. Dies gilt auch für Einstellungen zu Sprachen. Diese beginnen sich in der Familie und in der Schule zu entwickeln und formen sich im Laufe des Lebens weiter aus, während man sich innerhalb der Gesellschaft bewegt. Auf diese Weise tragen sie dazu bei, das eigene Verhältnis zu den Sprachen und die eigene Identität zu prägen.

Die angewandte Linguistik beschäftigt sich schon seit Langem mit Spracheinstellungen. Dabei stehen jene gesellschaftlichen Situationen und Kontexte im Vordergrund, wo Einstellungen zu Sprachen das Potential haben, Entscheidungen und Handlungsweisen und/oder Machtrelationen zu beeinflussen; sei das in Bewerbungsgesprächen, in Entscheidungen von Eltern über die in der Familie gesprochene(n) Sprache(n) oder in der Schule, etwa in Fällen von Sprachdiskriminierung. Gerade im schulischen Bereich und damit auch im Kontext der Lehrpersonenbildung bleiben verschiedene Fragen offen, etwa in welcher Weise Einstellungen in zu sprachlichen Normen die fachdidaktischen Praktiken der Lehrpersonen prägen können oder wie die Lehrpersonenbildung dazu beitragen kann, konstruktive Reflexionen über die Haltungen zu Mehrsprachigkeit anzuregen, die zumeist positiv sind, sich aber oft nicht dahingehend in den überwiegend monolingualen Praktiken von Lehrpersonen widerspiegeln.

Da Einstellungen als Konzept in vielen Lebensbereichen präsent sind, können sie als transversales und interdisziplinäres Konzept verstanden werden, das verschiedene Forschungsfelder verbindet. Vor diesem Hintergrund laden wir dazu ein, Beiträge einzureichen, die eine vertiefte theoretische sowie praxisorientierte Auseinandersetzung mit Kontexten ermöglichen, in denen sich Spracheinstellungen in der gesellschaftlichen, familiären oder schulischen Handlungsrealität manifestieren. Die Beiträge können aus Sicht der (angewandten) Linguistik hervorgehen, sich aber auch auf andere Disziplinen erstrecken, wobei wir einen spezifischen Fokus auf die Lehrpersonenbildung aus der disziplinären Sicht der Fachdidaktiken legen. Damit möchte die Tagung eine Diskursmöglichkeit für mehrere Perspektiven auf das Themenkomplex der Spracheinstellungen eröffnen.

Themenschwerpunkte
Die Beiträge können sich, ohne darauf beschränkt zu sein, mit folgenden Themen befassen:
• Sprachliche Einstellungen im (Fremd-)sprachenlernen/-lehren;
• Lehrpersonenbildung zwischen eigenen Spracheinstellungen/sprachlichen Wahrnehmungen und sprachlicher Norm;
• Einstellungen von Sprecher:innen gegenüber Sprachen und Varietäten (in mehrsprachigen Gesellschaften) einschliesslich perzeptionslinguistischer Ansätze und Studien der Laienlinguistik/Folklinguistik;
• Sprachliche Einstellungen aus politischer und institutioneller Perspektive;
• Spracheinstellungen mit Bezug zu verschiedenen familiären Sprachkonstellationen (z. B. Fokus auf Erziehungsstilen und ihrer Bedeutung für die intergenerationale Weiter- oder Aufgabe von Herkunftssprachen);
• Soziale oder räumliche Mobilität und Bewertung von Sprachen, Varietäten und Sprecher:innengruppen;
• Sprachideologien und ihre Bedeutung für die Sprachwahl, Sprachloyalität, den Sprachwechsel und Sprachverlust;
• Einstellungen gegenüber Sprachen im Bereich von Medien, digitaler Kommunikation und KI-basierten Sprachtechnologien;
• Methoden zur Erforschung von Spracheinstellungen;
• Theoretische Konzeptionen sprachlicher Einstellungen und ihr Verhältnis zu verwandten Konstrukten wie z. B. die Motivation.

Keynote-Sprecher:innen
• Stefan Hauser (Pädagogische Hochschule Zug/Universität Zürich)
• Ruth Kircher (Europa-Universität Flensburg)
• Tillmann Pistor (Universität Bern)

Beitragsformate
• Vortrag: Die mündlichen Vorträge dauern insgesamt 30 Minuten (20 Minuten Präsentation + ca. 10 Minuten Diskussion).
• Poster: Poster sind im Format DIN A0 (hoch) zu erstellen. Sie werden mittels eines Kurzreferats vorgestellt.
➔ Vortrags- bzw. Postersprache kann Deutsch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch oder Englisch sein.

Hinweise zur Einreichung
Die Abstracts dürfen eine Länge von maximal 400 Wörtern (exklusive Literaturverzeichnis) nicht überschreiten. Pro Person können insgesamt höchstens zwei Abstracts eingereicht werden, entweder als Einzelbeitrag oder in Ko-autor:innenschaft. Die Abstracts können in Deutsch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch oder Englisch über ConfTool eingereicht werden.

Beitrag von: Alberto Giudici

Redaktion: Robert Hesselbach