Stadt: Wien

Frist: 2020-01-15

Beginn: 2020-09-23

Ende: 2020-09-26

URL: https://frankoromanistentag.univie.ac.at/call-for-papers/

Sektion 20 – Leitung: Lukas Eibensteiner, Amina Kropp, Johannes Müller-Lancé, Claudia Schlaak

Abstract:
Angesichts des Wandels von der analogen zu einer digitalen Welt sollten verschiedene Forschungsrichtungen, die sich mit Sprache/n befassen, mit ihrem jeweiligen Potenzial noch einmal neu betrachtet und vor allem stärker miteinander verknüpft werden. Im Kontext des Fremdsprachenunterrichts kommen nicht nur fachdidaktische, sondern auch unterschiedliche sprachwissenschaftliche Forschungsrichtungen zusammen, zum Beispiel bei der Verknüpfung von Ansätzen aus der Mehrsprachigkeitsdidaktik und der linguistic-landscape-Forschung. Bei beiden nimmt – neben vielen anderen Aspekten – die Sichtbarkeit bzw. Wahrnehmung von Sprache/n eine bedeutende Rolle ein. Die Zweit- und Drittspracherwerbs­forschung (Hufeisen 2010) sowie Vertreter der Mehrsprachigkeitsdidaktik [z.B. Meißner/Reinfried (1998), aufgeklärte Mehrsprachigkeit (Reimann 2016), Interkomprehensionsdidaktik (Klein/Stegmann 2000)] plädieren für einen sprach­ver­netzenden Unterricht, der das sprachliche Potenzial der Lernenden nicht nur wahrnehmbar, sondern durch die Integration sprachlicher Vorkenntnisse, auch von Herkunfts- und Familiensprachen, gewinnbringend nutzen will (Fernández-Amann/Kropp/Müller-Lancé 2015). Auch die linguistic-landscape- Forschung (Cenoz/Gorter 2006; Gorter/Marten/Van Mensel 2019; Castilló Lluch/Kailuweit/Pusch 2019) zeigt mit ihren Erkenntnissen, dass es wichtig ist, die sprachliche Diversität in Ländern, z.B. in Frankreich mit seinen zahlreichen endogenen (Französisch, Okzitanisch, Elsässisch usw.) und exogenen Sprachen (Maghrebinisches Arabisch, Türkisch, Englisch usw.), sichtbar zu machen (Kremnitz 2015).
Der Französischunterricht kann inzwischen mittels digitaler Medien den Zugang zur Fremd­sprache bzw. zu der sprachlichen Vielfalt im Land der Fremdsprache auch ohne unmittelbaren Kontakt zu einem fremdsprachlichen Gegenüber anhand konkreter Beispiele (critical incidents, Fotos usw.) vermitteln. Daraus ergeben sich Möglichkeiten, Materialien der linguistic-landscape-Forschung sowohl für die kritische Reflexion von Sprachkontaktsituationen (z.B. im Hinblick auf die sprachliche Situation autochthoner und allochthoner Minder­heiten), die Behandlung inter- bzw. transkultureller Fragestellungen wie auch für sprach­erwerbsbezogene Aufgabenstellungen (z.B. Grammatik- und Wortschatzerwerb), die mehr­sprachige Potenziale nutzen, einzusetzen. Die Digitalisierung bietet hierbei insofern neue Spielräume, dass sie etwa die Nutzung von Medien und Erstellung von Unterrichtsmaterialien wesentlich vereinfacht (vgl. Bastian/Aufenanger 2017, Larbig/Spang 2017) und die Dokumentation der Mehrsprachigkeit mittels authentischer Eindrücke aus dem zielsprachlichen Land, beispiels­weise durch die Analyse von Blogs oder Instagram-Profilen, näher an die Lernenden heran holt. Auch etwa die Nutzung von Google Maps und die Betrachtung von zweisprachigen Verkehrsschildern werden mittels digitaler Medien auf Knopfdruck bzw. Mausklick ermöglicht.
Die Sektion möchte sich sowohl linguistischen wie auch fachdidaktischen und explizit praxis­orientierten Fragestellungen widmen und den Austausch zwischen Fachwissenschaft, Fach­didaktik und der konkreten schulischen Praxis vor dem Hintergrund der Digitalisierung för­dern.
Für die Sektionsarbeit ergeben sich daher unter anderem folgende Themen­schwer­punkte bzw. Fragestellungen:

  • Welche Chancen bietet die Digitalisierung zur Verknüpfung der unterschiedlichen Forschungsrichtungen?
  • Wie kann die Zusammenarbeit zwischen Mehrsprachigkeitsdidaktikern und linguistic-landscape-Forschern im Zeitalter der Digitalisierung mit ihren Möglichkeiten und Werkzeugen produktiv gestaltet werden?
  • Welche Möglichkeiten der Sprachvernetzung im Französischunterricht (sowohl schulische als auch herkunftsbedingte Mehrsprachigkeit) ergeben sich durch die Digitalisierung?
  • Welche Veränderungen ergeben sich durch die Digitalisierung im Bereich der Zweit- und Drittspracherwerbsforschung?
  • Wie verändert sich die linguistic-landscape-Forschung (sowohl aus einer fach­wissen­schaftlichen als auch aus einer fachdidaktischen Perspektive) durch die digitale Welt?
  • Inwiefern kann der Französischunterricht „authentischer“ gemacht werden durch Erkenntnisse der linguistic-landscape-Forschung hinsichtlich digitaler Formate? Wie werden Sprachkontaktsituationen im Französischunterricht dadurch zugänglicher gemacht? Wie kann die Nutzung neuer Medien als Werkzeug eines authentischen Französischunterrichts konkret aussehen?
  • Inwiefern können Mehrsprachigkeitsdidaktik und linguistic-landscapes im Kontext des inklusiven Lehrens und Lernens von der Digitalisierung profitieren?

Bitte reichen Sie Ihre Beitragsvorschläge auf Deutsch oder Französisch bis 15.01.2020 an eibensteiner@phil.uni-mannheim.de, kropp@phil.uni-mannheim.de, mueller-lance@phil.uni-mannheim.de und cschlaak@uni-mainz.de ein.

Literaturverzeichnis:
Bastian, Jasmin; Aufenanger, Stefan (eds.) (2017): Tablets in Schule und Unterricht. Forschungsmethoden und perspektiven zum Einsatz digitaler Medien, Wiesbaden, Springer.
Castilló Lluch, Mónica; Kailuweit, Rolf; Pusch, Claus D. (eds.) (2019): Linguistic Landscape Studies: The French Connection, Freiburg i.Br., Rombach.
Cenoz, Jasone; Gorter, Durk (2006): “Linguistic Landscape and Minority Languages”, in: International Journal of Multilingualism 3/1, 67–80.
Fernández Ammann, Eva Maria/Kropp, Amina/Müller-Lancé, Johannes (eds.) (2015): Herkunftsbedingte Mehrsprachigkeit im Unterricht der romanischen Sprachen, Berlin, Frank & Timme.
Gorter, Durk; Marten, Heiko F., Van Mensel, Luk (2019): “Linguistic Landscapes and Minority Languages“, in: Gabrielle Hogan-Brun/Bernadette O’Rourke (eds.), The Palgrave Handbook of Minority Languages and Communities, London, Palgrave MacMillan, 481–506.
Hufeisen, Britta (2010): “Theoretische Fundierung multiplen Sprachenlernens – Faktorenmodell 2.0.“, in: Jahrbuch Deutsch als Fremdsprache 36, 200–207.
Kremnitz, Georg (2015): Frankreichs Sprachen, Berlin/München/Boston, De Gruyter.
Klein, Horst; Stegmann, Tilbert (2000): Die sieben Siebe – Romanische Sprachen sofort lesen können, Aachen, Shaker.
Larbig, Torsten; Spang, André (eds.) (2017): Digitale Medien für Unterricht, Lehrerjob und Schule, Berlin, Cornelsen.
Li, Li (2017): New technologies and language learning, London, Palgrave Macmillan Education.
Meißner, Franz-Joseph; Reinfried, Marcus (eds.) (1998): Mehrsprachigkeitsdidaktik. Konzepte, Analysen, Lehrerfahrungen mit romanischen Fremdsprachen, Tübingen, Narr.
Reimann, Daniel (2016): “Aufgeklärte Mehrsprachigkeit – Sieben Forschungs
und Handlungsfelder zur (Re-)Modellierung der Mehrsprachigkeitsdidaktik“, in: Michaela Rückl (ed.), Sprachen und Kulturen vermitteln und vernetzen. Beiträge zu Mehrsprachigkeit und Inter-Transkulturalität im Unterricht, in Lehrwerken und in der Lehrer.innen.bildung, Münster/New York, Waxmann, 15–33.
Reinfried, Marcus; Volkmann, Laurenz (2012): Medien im neokommunikativen Fremdsprachenunterricht: Einsatzformen, Inhalte, Lernerkompetenzen, Frankfurt am Main, Lang.

Beitrag von: Claudia Schlaak

Redaktion: Christoph Behrens